Meine Abstill-Top-5: Was wir verloren & gewonnen haben

Bevor ich Mutter wurde, habe ich oft gesagt, dass Kinder, die nach der Brust fragen können, in meinen Augen zu alt dafür sind. Doch da wusste ich auch noch nicht, dass schon winzige Säuglinge ganz eindeutig ihre „Möö“ fordern können. Und selbst, wenn „Möö“ nicht als sprachmächtige Brustanfrage durchgeht: Wenn Fips mit 20 Monaten um „Milch t’inke“ bat, fand ich unsere Verbindung immer noch schön und mein Brustkind kein bisschen zu alt dafür.

Irgendwie ist uns das Langzeitstillen passiert: Ich habe mich nicht bewusst dafür entschieden, aber eben auch nie dagegen. Fips mochte Milch – zum einschlafen, in der Nacht, zum Wachwerden, zum Beruhigen, zum kurzen Mama-ist-da-Check. Für mich war das in Ordnung, ich war mit ganzem Herzen Langzeitstillende.

Doch auch die längste Zeit hat mal ein Ende.

Ich hatte mir immer gewünscht, dass mein Kind einmal selbst entscheiden würde, wann es genug Brust gehabt hätte. Das hat es nicht (aber das ist eine andere Geschichte), dennoch kam der Augenblick, in dem ich zum letzten Mal stillte. Die Tage danach waren vor allem für mich schwer – ich hatte ständig mit einem drohenden Milchstau zu kämpfen, meine Hormone waren völlig durcheinander und ich habe mich meinem Kind extrem entfremdet gefühlt.

Was verloren ging

Ich habe sehr viel geweint und konnte nur daran denken, dass wir nie wieder erleben würden:

  1. Unser Abendritual, wenn wir als Familie alle zusammen im Kinderzimmer lagen, Fips sich in verschiedenen Yogapositionen seine Schweinemilch einverleibte und der Fipspapa und ich ein wenig Zeit hatten, um den vergangenen Tag zu besprechen.
  2. Unser Wochenenend-Morgenritual, wenn wir alle zusammen Haut an Haut im Familienbett lagen, gemütlich kuschelten und Fips noch ganz schläfrig ein Vorab-Frühstücks-Schlückchen zu sich nahm.
  3. Das Gefühl, wenn ein nörgeliger, unruhiger oder überreizter Fips an meiner Brust zur Ruhe kam, Schluck für Schluck Seelenfrieden tankte – und danach einfach der Tag gerettet war.
  4. Das zufriedene Schmatzen, wenn Fips sich nachts satt und schläfrig von mir wegrollte, um wieder ins Reich der Träume abzutauchen.
  5. Die einzigartige Nähe und die Zuneigung, die wir während der Stillmomente teilten: Die Magie des„first latch“ im Kreißsaal hat mich zur Mama gemacht und das Stillen verband uns wie nichts anderes.

Das alles war nun vorbei.

Fips verkraftete es bis auf wenige Ausnahmen (bei großer Müdigkeit etc.) sehr gut, dass die Milch nicht mehr zur Verfügung stand. Statt zu mir zu rennen, wurde sich mehr an Papa orientiert, der in dieser Umstellphase die Nächte und einen Großteil der Tagesbetreuung übernahm. Mein Kind fragte nicht mal mehr nach mir und ich kam mir herzzerbrechend überflüssig vor.

Ich hatte mich manchmal darauf gefreut, meinen Körper wieder für mich zu haben. Ruhigere Nächte, säurehaltiges Obst, mal wieder ein Bier… aber ich hatte nicht damit gerechnet, mich so austauschbar und nutzlos zu fühlen. Das war (neben meinen steinernen Brüsten) der härteste Brocken und kostete mich viele, viele Tränen.

Was wir gewonnen haben

Zwei Wochen ungefähr dauerte die Umstellung. Inzwischen hat Fips größtenteils „vergessen“, dass es zwischen uns einmal eine andere Beziehung gab. Wir haben etwas Neues gefunden, das mich (und meinen inzwischen wieder ausgewogenen Hormonhaushalt) wieder mit Liebe erfüllt – anders, aber ebenso wunderbar. Statt nur etwas verloren zu haben, haben wir viel dazu gewonnen:

  1. Die Schlafphasen sind länger: Statt bis zu acht Mal pro Nacht einen Schlummertrunk zu fordern, wird Fips nun nur 1-3 Mal wach und hat auch schon hier und da komplette 10 Stunden durchgepennt.
  2. Fips ist selbstständiger: Er entfernt sich nun auch in fremder Umgebung viel öfter/weiter von mir, erkundet alles und beschäftigt sich häufiger allein.
  3. Das Potty Training wird spannend: Fips sagt (mit wechselnder Intensität) an, dass Pipi auf dem Klo oder Töpfchen gemacht werden soll. Auch das große Geschäft wird manchmal (davor oder danach) kommentiert.
  4. Fips nimmt mich anders wahr: Früher war ich der rettende Heimathafen mit Milchbar-Funktion. Jetzt scheine ich irgendwie mehr… ICH zu sein. Fips sucht viel mehr Augenkontakt und betrachtet mich sehr aufmerksam, wenn ich etwas erzähle oder erkläre.
  5. Es gibt Kuschelalarm! Fips hat immer viel Körperkontakt gesucht, aber Stillhalten war früher nur beim Stillen möglich. Jetzt schlingt unser Kind oft Arme und Beine um uns und genießt den Moment: „Kuss’el! Küsschen schenke!“

 

Kurz, Ob mit oder ohne Milch: Ich bin immer noch Fips’ Mama. Ich liebe und werde geliebt. Stillen war Teil unseres Lebens, aber Abstillen ist es auch.

Fips hat die Stillzeit vielleicht vergessen – aber die Sicherheit und Geborgenheit, die wir 20 schöne Monate lang teilt haben, wird hoffentlich ein ganzes Leben lang halten ❤

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