Warum ich (k)ein zweites Kind möchte

„Also, iiich könnte ja schon wieder…“: Knapp 17 Monate nach Fips‘ Geburt flüstert mein Körper diesen Satz. Immer wieder und immer öfter. Denn die ersten Erstmutter-Freundinnen sind schon wieder schwanger oder gehen langsam in die Planung für die zweite Runde, und meine Hormone wollen. Das. Auch. Nochmal!!

Was witzig ist, denn ich war (und bin) eine sehr überzeugte Einzelmutter. Ich war selbst Einzelkind und Geschwister haben mir nie gefehlt. Dabei ist mir weder jeder Wunsch erfüllt worden, noch durfte ich meinen Eltern auf der Nase rumtanzen. Aber abgesehen von diesen Selbsterfahrungswerten haben der Fipspapa und ich auch einige konkrete Gründe, warum wir kein zweites Baby wollen.

3 Gründe contra Zweitkind

Die Entscheidungen gegen eine zweite Schwangerschaft sind ganz rational mit Kopf und Vernunft getroffen:

  • Wir trauen es uns schlicht und einfach nicht zu: Mit einem Kind sind wir beide oft genug an der Grenze des Paar-Seins. Wenn wir nun zwei kleine Menschen betreuen müssen… wer betreut dann noch uns? Außerdem haben wir unser Haus entsprechend geplant (auch wenn zusammenrücken natürlich immer geht) und die Finanzen ebenso. Obendrein hat mein Körper nach der ersten Schwangerschaft bereits einen derartigen Sprung Richtung Mittelalter gemacht, dass ich daran genug zu knabbern habe.
  • Streitkreischbrüllgetöse ist nichts, was ich dauerhaft zuhause haben muss: Ich liebe Fips‘ Geräusche, aber wenn ich mir das auf Teenagerlautstärke und Hoch2 vorstelle…? Dann möchte ich auf der Stelle auswandern. Und ich denke außerdem, dass Fips bei der Tagesmama, dann im Kindergarten und später in der Schule reichlich (genug) Übungsplatz für soziales Miteinander hat. Das ist also kein Must-have für heimische Erweiterung.
  • Ich will mein Leben mit Fips teilen. Nur mit Fips. Ich fühle mich komplett und ich möchte alles, was sich entwickelt und was passiert, einfach genießen – ohne mich um noch jemanden kümmern zu müssen, der/die dieselbe Aufmerksamkeit verdient hat.

Aber diese drei Punkte wären ja nix, wenn es nicht irgendwo ein „aber…“ gäbe. Und es ist dieses „aber“, was beherrschend durch Kopf und Herz spukt und sich furchtbar gern in meinem Bauch einnisten will.

Hemmungslose Hingabe pro Kind

Apropos Bauch: Genau da kommen die folgenden Argumente her!

Punkt 1: Hormone!!! Verdammt, die Natur hat es einfach so eingerichtet, dass man Babys furchtbar gern hat. Weil sie duften, weil sie bezaubern, weil sie Liebe schenken wie nichts anderes auf der Welt (und damit meine ich, dass man selbst plötzlich mehr liebt, mehr gibt, mehr schafft als man jemals dachte). Punkt 1 ist das Mächtigste: Meine Hormone wollen wieder schwanger sein.

Punkt 2: Ich möchte noch einmal bewusst erleben. Es stimmt vermutlich, dass jede Schwangerschaft und auch jedes Kind anders ist. Die Schwangerschaft mit Fips war sehr schön und ich neige (wie vermutlich jeder) dazu, schöne Erfahrungen wiederholen zu wollen. Und ich bilde mir ein, dass ich es beim zweiten Mal anders genießen könnte, weil ich in etwa wüsste, was kommt. Außerdem wäre es schon toll, beim Anblick des berühmten zweiten Strichs nicht panisch zu hyperventilieren, sondern sich einfach zu freuen.

Punkt 3: Ich wäre gern besser zu mir selbst. Rückblickend habe ich das Gefühl, dass ich beim zweiten Kind vielleicht gelassener sein könnte. Dass ich mir selbst mehr Zeit und mehr Zuwendung gönnen könnte. Bei Fips steckte ich noch lange im Leistungsmodus des „alten“ Lebens und habe mir selbst oft viel abverlangt. Lieber hätte ich einfach sein sollen: müde sein, ruhig sein, Mutter sein. Und ich könnte vielleicht lernen, das einzufordern, was ich brauche, statt immer alles selber zu machen (und mich dann zu beschweren).

Kurz gesagt, ich könnte mir alles wunderbar vorstellen: Noch einmal Leben tragen… noch einmal ein winziges Herzchen schlagen hören… noch einmal die Schmetterlingspupskribbler zu spüren… noch einmal meinen ganzen Körper in all seiner Kraft zu lieben wie er ist… noch eine Geburt erleben… noch einmal zum ersten Mal in staunende Augen blicken… noch einmal die Magie des Augenblicks erleben, wenn die Zeit stillsteht. Ja. Oh ja. Alles in mir ruft-schreit-brüllt JA, während ich das schreibe und Tränen steigen in mir auf.

Ja!! Und trotzdem nein.

Ich könnte mir auch noch so gut vorstellen, wie Fips an Papas Hand die Tür zu meinem Zimmer auf der Wochenbettstation aufdrückt und zum ersten Mal die kleine Schwester oder den kleinen Bruder bewundert.

Aber dann hört es eben auf.

Sicher würden wir einen Alltag mit zwei Kindern rocken können, irgendwie. Ganz sicher würden wir lieben und lachen und staunen und wunderbare Momente haben. Aber wenn man sagt, dass Kinder das Größte sind, dann steckt darin nicht nur das Schönste-Liebenswerteste-Wunderbarste. Darin steckt auch das Forderndste-Schwierigste-Unglaublichste, was es überhaupt gibt.

Wenn alles gut läuft, hat jedes Kind eine Riesenmenge Liebe im Gepäck – und bringt dabei genauso viel Ärger, Streit, Müdigkeit, Konfrontation und Aufruhr mit sich. Wenn alles bestens läuft, ist zum Glück eine passende Menge Durchhalten, Kompromisse, Verständnis und Stärke enthalten: Bei Fips passt das meistens ganz gut.

Chapeau, Big Mama!

Alle Mehrlingsmütter haben meinen tiefsten Respekt: Wer seine Kinder in Liebe und Hingabe zu tollen Menschen macht und sich selbst (oder den Partner) dabei nicht vergisst… wow, chapeau. Ich wüsste nicht, welche Weltaufsichtsratsleistung größer sein könnte.

Ich verneige mich vor euch, ihr großen Mamas (eine meiner Lieblingskandidaten ist übrigens getthetriplets, falls ihr bei Insta oder WordPress mal gucken wollt)!! In meiner Kleinfamilie versuche ich es nach eurem Vorbild so gut zu machen wie ich kann.

Und ich umarme euch, meine ungeborenen Kinder: Ihr wärt sicher wunderbar. Der Abschied fällt mir nicht leicht, aber trotzdem allem fühlt es sich so richtiger an.

Wir sind drei, wir sind eins, wir sind komplett ❤

 

 

 

5 Gedanken zu “Warum ich (k)ein zweites Kind möchte

  1. Marie schreibt:

    Uff… Da muss ich aber auch schlucken! Das ist schwer bekömmlich und nicht ganz leicht zu verdauen … Aber es ist toll wie du darüber schreiben kannst und wie hin und her gerissen du bist! Ich liebe deine Berichte, deine Wortwahl, … einfach immer wieder genial!!!

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  2. Isabell schreibt:

    Ach ja, als ich deinen Bericht gelesen habe war ich noch guter Hoffnung und konnte mir nur sehr schwer vorstellen wie man sich wirklich von dem Gedanken eines zweiten Kindes lösen kann.

    Heute eine Woche später sieht es ganz anders aus und unser kleiner Zwerg bleibt erst mal ein Einzelkind.

    Noch hoffe ich, dass es bei uns weitergeht und wenn nicht werde ich mit deinem Bericht wieder rausholen und alle Vorzüge eines Einzelkindes ins Gedächtnis rufen.

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