No Milk Tonight: Papa übernimmt.

Ein Abend in Freiheit: Oh Gott, wie oft habe ich davon geträumt, wenn Fips abends beim Einschlafstillen kein Ende fand oder mit nachts stundenlang die Brust zernuckelt hat. Und neulich war es dann plötzlich soweit: Papa übernahm das Nachtritual.

Nach brust- und erfolglosen Versuchen, Fips bei der Tagesmama mittagsschlafen zu lassen, wurde uns eine Veränderung ans Herz gelegt: Wir sollten die Gleichung „Schlaf = Stillen“ zu „Schlaf = Nähe“ umformen. Und Fips damit das Leben erleichtern, wenn ich samt Milchbar wieder ins Büro muss.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Fips liebt die Tagesmutter seit dem ersten Tag und nun schon fast einen Monat. Nähern wir uns morgens ihrem Haus, wird enthusiastisch HAH! gerufen und bei der Abgabe muss ich mich mit dem Abschiedswort sputen, bevor Fips in der nächstgelegenen Spielzeugkiste abtaucht. Spielen? Andere Kinder? Mama weg? No problem. Aber schlafen ohne Brust…? Oha. Sagen wir mal euphemistisch, dass Fips sich hier für die „Lieber nicht“-Variante entschieden hat.

Statt Stillen ein neues Ritual

Es gab also nur zwei Alternativen: Entweder wir konfrontieren Fips am Ende meiner Elternzeit krachbumm-zack mit einer neuen Schlafsituation. Oder wir stellen das Einschlafritual ab sofort mit so viel Liebe und Nähe wie irgend möglich um. Variante Nummer 1 kam nicht in Frage: Also änderten wir:

  • Am Abend (und auch sonst bei Verlangen, aber das nur btw) stille ich Fips in aller Ruhe. Aber im Gegensatz zu früher nicht als Teil des Einschlafens, sondern deutlich vorher.
  • Dabei erkläre ich in einfachsten Worten, warum Stillzeit nun nicht mehr Schlafzeit ist.
  • Nach dem Stillen verabschiede ich mich und Papa übernimmt.
  • Nach einer kurzen Spielphase beginnt er ein eigenes Einschlafritual mit Tragen, Kuscheln, beruhigendem Reden, Meditationsmusik und Wasserfläschchen.

Wieso kannst du jetzt schon telefonieren?!

Um es Fips leichter zu machen (angeblich können Babys Mama und ihre geliebte Milch ja durch Wände und Türen riechen), beschlossen wir, mich am ersten Abend auszuquartieren. Oder halt. Um ehrlich zu sein, geschah dies auch, um es mir leichter zu machen. Denn ich war innerlich auf zwei bis vier Stunden schreckliches Weinen eingestellt. Und das mitanhören?! Verdammt. Ich würde es innerlich hören, das würde reichen. Also ging ich.

Beziehungsweise: Zuerst saß ich eine Viertelstunde auf den Stufen vor der Haustür und sortierte meine verwirrten Gefühle. Denn da war alles dabei: Jaaaa, Freiheit!!! Endlich kann ich Verantwortung abgeben!!! Ob sie das schaffen? Klar schaffen sie das! Ob Fips Papa vertraut? Vertraue ich ihm genug? Vertraue ich Fips genug? Wie auch immer: Da müssen wir jetzt durch. Kopf hoch! Ob ich die letzten Monate nicht alles hätte anders…? Egal. EGAL JETZT!

Schnell weg. Ich floh aufs Sofa der Schwägerin und war dennoch mit halbem Herzen zuhause. Bis nach einer halben Stunde mein Handy klingelte. Oh Gott. War wohlmöglich etwas passiert? Was… wie? Ich war mit den Nerven am Ende, bevor ich das Gespräch auch nur angenommen hatte. Doch es kam anders: „Das Kind schläft“, sagte der Fipspapa schlicht, und ich musste mich erst mal setzen.

Könnt ihr euch meine Erleichterung vorstellen? Die beiden hatten es einfach gerockt! Spielen, schmusen, schlafen. Und dazu jede Menge um-den-Verstand-quasseln, damit bloß kein Mama-Vermiss-Modus eingeschaltet wurde. Meine Beiden!! Ich war so stolz.

Aber das war nicht alles. Oh nein. Es blieb nicht beim puren Stolz. Und ohne Rückfälle sind wir auch nicht davon gekommen. Aber wir kommen voran. Und von meinem wunden Mutterherzen und schmerzhaften Rückschlägen erzähle ich euch im nächsten Beitrag. Denn so ist das Leben als Mama und das Leben mit Baby: Alles ist Veränderung und man über- und unterschätzt sich manchmal gleichzeitig.

Und wisst ihr was? Das ist okay.

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