Vater-Mutter-Streit: 3 Gründe, warum „glückliche Eltern“ streiten

Es gibt Studien darüber, wie sich das Glück eines Paares entwickelt: Grobgesagt fällt der Pegel in der Regel nach dem ersten Kind. Komisch, oder? Neun Monate freut man sich auf den kleinen Krümel, den man wohlmöglich jahrelang herbeigesehnt hat, und dann soll das Glück nach der Geburt doch nicht vollkommen sein?! Was ist das denn für ein Blödsinn, denkt man sich als unbedarfte Schwangere. Unsere Beziehung ist topfitromantischrosarotmitsternchen, UNS passiert das garantiert nicht!

Tja, Pustekuchen. Liebe werdenden Eltern, stellt euch darauf ein: Eure topfitromantischen Tage sind gezählt. Nicht nur, weil eure intimen Momente nun jederzeit durch ein weinendes Baby unterbrochen werden können. Sondern weil sich dieser legendäre „Alles wird anders“-Alltag einstellt und ihr euch manchmal gegenseitig ganz schön ankotzen werdet.

Immer wieder dieselbe Leier

Es gibt auch eine gute Nachricht: Es geht (fast) allen Eltern so. Denn eigentlich kommt niemand um die Top3 der Neufamilien-Knackpunkte herum:

  • Arbeitsaufteilung
  • Erziehung
  • Missverständnisse

Was ist da los im Elternkopf? Genügt es nicht, gemeinsam ein tolles Kind großzuziehen? Die Antwort: Keine Ahnung. Aber was steckt eigentlich dahinter? Und kann man diese Streitpunkte nicht irgendwie vermeiden? Denn austragen lassen sich diese fiesen, schwelenden Zankereien nicht besonders gut, wenn man ein schlafendes/schreiendes Baby im Haus hat.

Also, um was geht’s überhaupt?

1. Arbeitsaufteilung: Wer hat den härteren Job?

„Geh du erst mal wieder arbeiten!“ – „Bleib du doch mal den ganzen Tag mit Baby daheim!“

„Kannst du noch Wäsche machen/das Klo putzen/kochen?“ – „Häh? Du bist doch den ganzen Tag zuhause!“

„Ich habe heute schon vier Windeln gewechselt, du nur eine!“ – „Die war aber mit Kacki!“

To be continued. Wer gewinnt das Rennen um den härteren Tag? Papa, der zusätzlich zum normalen Leben mit Job und Hobbies auch noch ein Kind bekommen hat – oder Mama, die ihr komplettes altes Leben gegen ein Baby eingetauscht sieht? Diese Frage lässt sich auch mit harten Bandagen nicht beantworten. Also versucht es gar nicht erst. Nehmt euch lieber in den Arm und fragt, wie ihr helfen könnt.

2. Erziehung: Du machst das falsch!

„Lass mich mal!“ Es gibt nichts Schlimmeres als eine(n) Partner(in), der/die alles besser weiß. Oder dem alles egal ist. Oder einer, der ständig mit guten Ratschlägen, aber nie mit Taten aufwartet. Puh. All das ist schlimmer als alle Last allein auf den Schultern zu tragen.

Doch je älter das Kind wird, desto mehr Tretminen pflastern den Weg. Zum Beispiel:

  • Wann ist Zeit für das eigene Bettchen bzw. das eigene Zimmer?
  • Wann wird getrotzt und wann muss man trösten?
  • Wieviel muss das Kind essen?

Wann-was-wie… es gibt endlos viel zu besprechen, zu definieren und auszudiskutieren. Und auch auszuflippen, ganz bestimmt. Denn so einig man sich vorher in Sachen „Grundpfeiler der Kindererziehung“ war, umso mehr Differenzen tun sich im Einzelnen auf. Und wer darf überhaupt Veto einlegen? Papa als Oberhaupt der Familie, oder Mama als tagtägliche Exekutive? Aaaargh, das allein birgt Sprengstoff für etliche explosive Auseinandersetzungen.

3. Missverständnisse: Eigentlich vermisse ich dich einfach So sehr.

Im Kreißsaal steht man gemeinsam gegen die Welt: Man kann Berge ausreißen und den höchsten Baum erklimmen. Und der schönste Moment überhaupt ist wohl, wenn man zusammen in die unergründlichen Augen des kleinen Menschleins schaut und vor Liebe gar nicht mehr weiterweiß. Stolz. Rührung. Wow. Keine Worte. Oh, wenn es doch nur so bliebe…

Denn nach den ersten oxytocingetränkten Tagen, Wochen oder Monaten ist aus dem kleinen Menschlein ein Wesen mit Ansprüchen geworden. Essen, trinken, spielen, anziehen, waschen, beruhigen, trösten, fördern… ein 24/7-Job ist das. Und wo, zur Hölle, bringt man bei solch einer Fulltime-Tätigkeit noch Zeit für Beziehung, Verständnis und abgeklärte Reflektion anfallender Streitthemen unter? Die Antwort lautet wohl: Irgendwo zwischen Tür und Angel, bestenfalls.

Oft genug werden daraus halbherzig zugeworfene Türen (psst! Das Baby schläft!), gezischte Wortwechsel am Wickeltisch und verflucht trübe Stunden, weil keiner den ersten Schritt zur überfälligen Versöhnung machen will. [Anm. d. Red.: In einem solchen Moment wird übrigens dieser Text geschrieben.]

Und warum das alles? Nicht, weil sich frischgebackene Eltern plötzlich nicht mehr leiden können. Nee. Im Gegenteil! Sondern weil sowohl Mama als auch Papa in gewissen Momenten einfach eine starken, ausgeglichenen Menschen an ihrer Seite brauchen, der sie liebevoll umsorgt und für alle Kümmerchen ein offenes Ohr hat. Pech nur, dass eben dieser Mensch gerade selber total genervt/unausgeschlafen/überfordert/hungrig/nähebedürftig etc. ist.

Was wirklich dahinter steckt

Die Definition von Streit: Statt sich wechselseitig eine Schulter zum Anlehnen zu bieten, wählt man den einfachen (?) Weg des Dampfablassens bei Kleinigkeiten. Dabei will man nur sagen: Es tut mir so leid um jedes falsch verstandene Wort. Denn ich vermisse dich und deine Nähe so sehr. Ich liebe dich wie ich dich immer geliebt habe, auch wenn ich dir das vielleicht viel zu selten und auf komische Arten zeige. Ich brauche dich so sehr an meiner Seite. Bitte hilf mir, bitte sei für mich da und bitte lass mich für dich da sein. Wir schaffen es zusammen! Denn schau nur, was wir gemeinsam Wundervolles auf die Welt gebracht haben. Dafür lohnt sich alles!

Und? Wer geht nun los und sagt genau das zu seinem grantig am anderen Ende der Couch sitzenden Partner? [Anm.d.Red.: Ich wünschte, ich könnte gerade den Mut dafür finden.]

Beim zweiten Kind wird alles leichter

Die Studie der Forscher Rachel Margolis und Mikko Myrskylä behauptet allerdings auch, dass das Glück mit dem zweiten Kind wieder Aufwind genießt. Warum? Vermutlich, weil man weiß, auf was man sich einlässt: Beim ersten Mal stolpert man ja doch in jede Falle wie Alice ins Kaninchenloch. Unsicherheit und Überraschungen prägen die Aufzucht von Kind 1 – schließlich hat man das noch nie gemacht! Und Gebrauchsanweisungen gibt es auch nicht, da kann man noch so viele Ratgeber lesen.

Bei Kind 2 sieht das – möglicherweise – schon ganz anders aus. Zumindest stürzt man sich hier bewusster ins Abenteuer. Und apropos Abenteuer: Wenn man Kind 1 heil und rosarot überstanden hat, dann kann einen vielleicht auch nichts mehr schocken.

4 Gedanken zu “Vater-Mutter-Streit: 3 Gründe, warum „glückliche Eltern“ streiten

    • Sabine Wirsching schreibt:

      ich glaube, es wird immer besser, wenn man mal wieder zeit für sich allein findet… zeit zum reden und zeit, dem anderen mal wieder die zärtlichkeit und nachsicht zu zeigen, die sonst das baby bekommt. nicht einfach und immer wieder mit rückschlägen behaftet, aber wir WOLLEN immer noch 🙂 liebe grüße!

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