Wunder & Wehmut der ersten Beikost

„Das ist ja ein schicker Löffel! So bunt! Der kommt ja näher… was nun? Mund auf? Ja, Mund auf! Da ist der Löffel… irks, was ist denn da drauf? Mamaaa, was ist das? Was soll ich denn damit? Essen? Schlucken?! Komisches Gefühl… aber gar nicht so schlecht! Das lasse ich im Mund. Hm, ganz anders als meine Milch. Finde ich das gut? Keine Ahnung… aber her mit dem nächsten Löffel! Ich finde gleich raus, ob ich das mag!“

So oder so ähnlich stelle ich mir Fips‘ Gedanken zum heutigen Abendessen vor. Denn mein kleines Baby hat seine ersten Mini-Happse Blumenkohlbrei gegessen (und später beim Wickeln wieder ausgespuckt, aber das tut hier nichts zur Sache).

Der erste Brei-Versuch: Möhrchen ist bäh!

Vor drei Wochen – mit Möhrchenbrei – ging ja voll in die Hose. Oder ins Lätzchen, denn nach dem ersten bereitwillig verdrückten Löffel schritt der Brechreiz ein: Im hohen Bogen und unter üblen Geräuschen kam nicht nur das Möhrenfitzelchen, sondern auch die letzte Milchmahlzeit wieder hoch.

Ich könnte jetzt sagen, dass ich wusste, dass es da noch zu früh war. Aber nicht nur mein fürsorgendes Ich-kenn-mein-Kind-Mutterherz sagte das, sondern auch das klammernde, wehmütige Bleib-doch-immer-so-klein-Herzstück.

Das erste Fläschchen

„Schlimmer“ als das erste Breichen(-Fail) war nur das erste Fläschen Pre-Milch. Der Fipspapa hatte sich innig gewünscht, auch einmal füttern zu können und außerdem wollte er mich in meiner 6-bis-7-Mal-Stillen-pro-Nacht-Zombietrance entlasten.

Ich erspare euch jetzt die Details unserer beidseitigen Fehlkommunikation (wir üben das noch!), aber ich wehrte mich eine ganze Weile gegen Pre. Bauchweh!, sagte ich, Hebamme zuerst fragen!, Mimimimi! Was ich eigentlich sagen wollte: Oh Gott, schon?? Ich bin nicht bereit! Letztendlich siegten die Vernunft und der Fipspapa: Ich war vielleicht nicht bereit, aber was war mit Fips?

Nun ja. Wir tauschten die Rollen beim Abendritual: Ich machte die Nachtwindel, der Fipspapa das Fläschchen. Danach lehnte er sich in meine Stillecke, bekam Fips in den Arm und das erste Fläschchen wurde anstandlos getrunken. Während ich Fipsleins Händchen hielt und hoffte, dass im rötlichen Schein des Nachtlichts keiner meiner Tränen sehen würde.

Wieso musste ich weinen? Während mein kleines-großes Goldstück zum ersten Mal mutterbrustferne Nahrung konsumierte, spürte ich, dass das erste Stückchen Weg unwiderruflich bereits hinter uns lag. Die absolute Zweisamkeit des Stillens geht langsam vorüber: Irgendwann (gefühlt: viel zu bald!) wird sich das kleine Mündchen zum letzten Mal an meiner Brust festsaugen, die kleine Hand wird zum letzten Mal meinen Finger umklammern… und zack! Dann ist Fips plötzlich eingeschult, zieht aus und gründet eine eigene Familie.

Und Mama weint, weil Mamas bei Abnabelung nun mal weinen. Da kann man sonst noch so taff und sorglos sein.

Die Folge-Fläschchen-Story

Zu früh geheult: Die nächsten beiden Pre-Püllis wurden brüllend und lamentierend verweigert. Wir gaben auf (und das mit der Dauerstillerei in der Nacht erledigte sich netterweise trotzdem… bye-bye, vierter Schub!).

Eine Woche später probierten wir ein Fläschchen mit Karottensaft:

„Ui, so schön orange! Haben-haben-haben! Was, das soll ich in den Mund nehmen da oben? Aber dann kann ich das tolle Orange ja gar nicht sehen! Was soll… oh! Da kommt ja was raus, wenn ich draufbeiße! Das… das schmeckt ja! Mmmh! Mehr! Oraaaaange!!“

Gut, ich war den halben Abend mit Fleckenentfernung beschäftigt, aber Karottensaft ist offenbar der Hit.

Breichen, die Zweite

Seit zwei Tagen verfolgt Fips nun mit offenem Mäulchen jeden Bissen, den wir uns in den Mund stecken. Und nach dem erfolgreichen Karottenfläschchen, weil Blumenkohl im Haus war und vor allem zur Feier der ersten fünf strahlenden Minuten im eigenen Stühlchen folgte heute nun das zweite Brei-Experiment.

Obwohl Blumenkohl ja nun wirklich keine rockige Farbe hat, wurde begeistert der Schnabel aufgesperrt. Und es zeigte sich, dass die Osanit-Kügelchen, die Fips schon die großen und kleinen Zahnungsschmerzen vertrieben hatten, noch eine zweite Aufgabe bravourös erledigt hatten: Denn durch das Kauen und Lutschen der kleinen Globulis hatte der Brechreiz längst keine so große Klappe mehr. Zwei Mal wurde kurz gehustet, aber das war es auch schon.

Insgesamt wanderte vielleicht ein Teelöffel voll Blumenkohlmansche ins Fips-Mäulchen. Der Gesichtsausdruck? Sagen wir mal: Engagiert-skeptisch! Wir setzen den Versuch also fort.

Und ich musste meinen Fipsschatz vorm Schlafengehen noch einmal extra herzen: Du wirst groß, meine kleine Seifenblase! Du wist so verdammt schnell groß plötzlich! Ich platze vor Stolz und Wehmut zugleich… am liebsten möchte ich diese wertvollen Momente unzerstörbar in ein Marmeladenglas einschließen, um sie mein-dein Leben lang immer wieder zu betrachten… während du eingeschult wirst, während du ausziehst, während du deine eigene Familie gründest.

Ich liebe dich einfach so sehr. Guten Appetit, mein Kind.

6 Gedanken zu “Wunder & Wehmut der ersten Beikost

  1. Vanessa schreibt:

    So schön gesagt!

    „am liebsten möchte ich diese wertvollen Momente unzerstörbar in ein Marmeladenglas einschließen, um sie mein-dein Leben lang immer wieder zu betrachten“

    Gefällt 1 Person

  2. Antje schreibt:

    Ich muss fast weinen wenn ich das lese! Unser Zwerg ist nun schon 6 Monate alt und auch wir geben seit 1 Woche Brei … und Mamas Herz blutet… kaum seh ich mich um und schon zieht er aus 😱 so schön geschrieben! Wenn du rausgefunden hast, wie das mit den Marmeladengläsern funktioniert, sag bitte Bescheid 😍❤️

    Gefällt 1 Person

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