Das „dumme“ erste Vierteljahr: Mein siebter Brief an Fips

Liebster Fips,

über vier Monate sind jetzt schon rum, fast 20 Wochen – eine unfassbar lange und gleichzeitig so kurze Zeit mit dir. Und ich muss sagen, ich genieße jeden Tag mehr. Denn beinahe täglich kommen neue Fähigkeiten dazu, die mich vor Mutterstolz platzen lassen („Eine Spuckeblase! Schau, eine Spuckeblase!“) und auch richtiges Spielen möglich machen. Und dabei ist es noch gar nicht so lange her, das neben mir ein kleines Bündel lag, das einfach nur den ganzen Tag schlafen wollte. Und trinken, natürlich.

„Die dummen Monate“ nennt meine Oma diese Zeit und wenn ich auch das Wort dumm nicht auf dich anwenden will, so muss ich ihr doch irgendwie recht geben. Es ist großartig (und manchmal zugleich beängstigend) mitzuerleben, wie dieser kleine Mensch – du! – sich so rasend schnell verändert, und ich liebe die Möglichkeiten, die dabei mitwachsen! Schade nur, dass man keinen einzigen Moment fangen und in ein Marmeladenglas sperren kann, um niemals zu vergessen…

  • … wie weich die Haut an deinem Köpfchen war als ich sie zum ersten Mal berührte.
  • … wie besonders dein Duft war, bevor du zum ersten Mal gewaschen wurdest.
  • … wie winzig deine Lippen waren als sie sich zum ersten Mal um meine Brust legten.
  • … wie tief und überall du geschlafen hast! Mitten im dicksten Getümmel!
  • … wie zart Hände, Bäuchlein und Beinchen waren bevor der Babyspeck kam.
  • … wie viele Hände wir anfangs brauchten, um dich zu drehen und zu halten.
  • … wie du an der Brust brummst und singst, wenn es dir gut geht.
  • … wie viele Härchen du hattest, mein Bärenkind.

In den ersten Wochen hast du nur den Papa angelacht: Ich war mehr so etwas wie eine praktische Wohnung. Eine Umgebung, die selbstverständlich vorhanden zu sein hatte – wohltemperiert, verfügbar und mich gefüllter Milchbar. Aber Freude habe ich nicht ausgelöst und Wohlbehagen…? Na ja, dass ich für Wohlbehagen sorgen konnte, merkt man ja immer erst, wenn dies mal nicht der Fall ist. Um ehrlich zu sein: In den ersten Wochen habe ich mich für dich manchmal ganz schön unsichtbar gefühlt, mein Kind. Ich konnte den Moment nicht erwarten, an dem du mich endlich einmal wahrnehmen würdest.

Klar, du warst es gewohnt, mich zu haben. Du bist schließlich in mir gewachsen. Ich war dein Haus. Und du ein Teil von mir. Das bist du immer noch. Manchmal wünsche ich mir, dich öfter als etwas Separates wahrnehmen zu können – hey Kopf! Versteh doch! Ich habe ein Baby! -, aber vermutlich bist du mir einfach viel zu nah, als dass mir diese Trennung glücken könnte. Und (ebenfalls ehrlich gesagt): Ich mag mich auch gar nicht von dir trennen.

Denn das machst du von ganz allein.

Jetzt lachst du mich an, weil du mich als Menschen erkannt hast. Als Mama, als Milchspender, als Spaßmacher. Jetzt amüsierst du dich allein vorm Spiegel, weil deine Welt jeden Tag größer wird. Jetzt willst du unterhalten werden, bestaunst die ersten Bilderbücher, amüsierst dich über mein Zungenschnalzen, Jodeln und scheussliches Singen, rollst Bälle, schüttelst Rasseln und kaust wie ein Werwolf auf allem herum, was du bekommen kannst (einschließlich unserer Hände). Du sitzt auf unserem Schoß mit am Tisch, du schaust auf kauende Münder, liebst glänzendes Besteck und wenn man dir etwas hinhält, dann greifst du danach.

Du wächst jeden Tag und ich bestaune und bewundere jeden Schritt, den du voranmachst. Nie wieder werde ich so viel Zeit mit dir und für dich haben. So genieße ich jeden Moment mit dir. Das erste Vierteljahr ist vorbei und – dumm oder nicht – ich wünsche es mir nicht zurück.

Aber ich würde auch keine Sekunde missen wollen, weil jeder Augenblick mit dir so unendlich kostbar ist. Die letzten Wochen waren toll, aber dich aufwachsen zu sehen, ist noch viel schöner.

In Liebe,
deine Mama

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