Mein Neujahrsbrief an Fips

Liebster Fips,

nach einem Einschlaf-Milchschlückchen liegst du zufrieden in deiner improvisierten Schaukel und schläfst. Ich sitze auf dem improvisierten Sofa und denke nach… über das alte Jahr und über das neue, das kommt.

Es gab drei Jahre bisher, die mein Leben verändert haben. Das Jahr 2000… in dem ich lernte, über den Tellerrand meiner längst vergangenen Kindheit zu schauen und, wenn schon nicht erwachsen, so doch erwachsener zu werden. Dann das Jahr 2010… in dem ich mein altes Leben als Buchhändlerin und sittsames Mädchen hinter mir ließ, um job- und herzmäßig noch einmal alles ganz neu zu ordnen. Und dann das Jahr 2017… das mit drei Schwangerschaftstests begann und von da an Kopf stand.

Kugelrundes 2017

Weil DU dabei warst. Und seitdem ich von dir wusste, war mein Kopf voll von dir, und mein Herz voller Liebe. Für dich habe ich gelebt, geatmet, geträumt. Während mein Bauch immer runder wurde, habe ich versucht mir vorzustellen, wie es sein würde, wenn du erst bei uns wärst. An warme Babyhaut habe ich gedacht. An kleine Händchen, die meine greifen, und an strahlende Augen, die meinen Blick suchen. An schlaflose Nächte habe ich gedacht, an volle Windeln, an Lebensumstellung. Und dann doch lieber wieder von deinen ersten gurgelnden Lauten geträumt, und von feinem Babyduft und weichem Haar.

Neun Monate später warst du da: Dein Weinen zu hören, dein Gewicht auf meiner Brust zu spüren und dich zum ersten Mal anzulegen traf mich bei aller Vorfreude gänzlich unvorbereitet. Und noch etwas überkam mich plötzlich: nämlich Mutterliebe. Die Liebe zu dem kleinen Wesen in meinem Bauch war immer etwas wie eine Fantasie gewesen – ja, ich habe die Kugel so oft gestreichelt, dass all meine Schwangerschaftskleider Fusseln auf dem Bauch bekamen, aber dass da wirklich ein Kind drin sein sollte? Das konnte ich lange nicht glauben.

Alles neu macht der Oktober

Jetzt staune ich immer noch jeden Tag, dass du wirklich da bist – und bleibst. Dass du da bist, als mein Kind, und ich als deine Mutter. Ich spüre deine warme Haut, deine Händchen halten meinen Finger ganz fest und deine Augen strahlen, wenn sie mich anschauen. Du gurgelst und brabbelst und lachst und von deinem Babyduft und deinem weichen Haar kann ich nie genug bekommen. Und trotzdem kann ich kaum glauben, dass es wahr ist.

Ich entdecke mich selbst neu. Mit dir ist das Leben nicht länger planbar: Die Tage beginnen und hören irgendwann auf, das ist das Einzige, was noch feststeht. Alles andere richtet sich nach dir. Am Anfang war das schwer, doch ich lerne. Ich will lernen! Denn ein glücklicher Fips macht auch mich glücklich – so einfach ist es plötzlich.

2018 zuhause

Ich glaube, ich war noch nie so gespannt auf ein neues Jahr wie diesmal: 2018 werden zwei neue Bücher erscheinen – einmal mein zweiter Roman „Drei Worte“ und außerdem ein Band namens „Man kann sich nicht immer aufhängen“ mit insgesamt meiner 21 Erzählungen. Und vor allem werden wir zu dritt in unser langersehntes Haus ziehen… und du wirst deine ersten Schritte in unserem Garten machen oder in unserem Wohnzimmer – auf jeden Fall wird es an einem Ort sein, den ich im Gegensatz zu den Wohnungen der letzten 13 Jahre nicht wieder nach ein paar Jahren verlasse. Mit dir werden wir wirklich zuhause sein, und alles, was wir bauen, basteln, schrauben und machen wird für immer sein.

Und du wirst wachsen. Jeden Tag. Schon jetzt bist du nicht mehr das völlig hilflose Baby, das im Krankenhaus neben mir schlief, sondern ein wacher Fips, der alles beobachtet und lauthals kommentiert. Und es kommt noch viel, viel mehr!

Von guten Vorsätzen und Mutterliebe pur

Freunde sagen, dass ich ganz anders aussehe als früher. Ganz anders und dabei genau wie ich selbst, als hätte ich jetzt meinen Platz im Leben gefunden. Und das habe ich: bei dir. Ich möchte alles für dich tun. Brauche ich da noch gute Vorsätze fürs neue Jahr?

Eigentlich nicht. Denn diesmal gibt es kein vielleicht und kein ich könnte ja mal. Diesmal steht alles Gute längst fest. Denn ich werde dich immer beschützen und dich behutsam begleiten, damit du selbst deine Erfahrungen machen kannst. Ich werde dich halten, wenn du fällst, und ich will dich freilassen, wenn du es brauchst.

Aber vor allem will ich dich lieben, jede Minute, jeden Tag. Einfach so.

Du machst mich ungeahnt und unfassbar glücklich.
In Liebe,
Deine Mama

PS: Dein Papa nennt dich übrigens Spatziba. Weil wir wirklich sehr dankbar sind für dich ♡ 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s