Mein Baby im Internet? Datenschutz & Co.

Bei @mama.mittendrins #schwangerschaftshibbelei geht es heute um „Bilder vom Kind im Internet“ und damit um ein Thema, was mir auch sehr am Herzen liegt. Denn ich bin Autorin, Bloggerin und Insta-Mama, und wenn ich schreibe, dann immer über die Dinge, die mir am Herzen liegen. Mit jeder Zeile gebe ich also Privates preis. Doch wie viel Öffentlichkeit will ich in mein Privatleben bringen? Und vor allem: Über wie viel von Fips‘ Privatleben darf ich ungefragt verfügen?

Unsere Bilder und Daten in der Öffentlichkeit

Was in der Öffentlichkeit (ja, auch in „privaten“ Accounts) gezeigt wird, kann jederzeit und gespeichert werden – so viel ist sicher. Digital bedeutet das Downloads und Screenshots; im analogen Leben kann (fast) dasselbe mit selbstgeknipsten Fotos und Gedächtsnisleistung geschehen. Sprich: Jedes Mal, wenn wir die eigenen vier Wände verlassen, zeigen wir etwas von uns – mal mehr, mal weniger. Unsere moderne zeit hat dieses „Zeigen“ potenziert und vereinfacht, doch wissen wir eigentlich, was mit unserem privaten Material geschieht, wenn wir es in die digitale Freiheit entlassen?

Facebook

Bei Facebook geben wir aktiv mehr oder weniger Daten ein (vom gewählten Namen und der Mailadresse bis zu unseren „Likes“, die Rückschlüsse auf uns zulassen). Laut klicksafe.de speihert Facebook außerdem Metadaten wie zum Beispiel den Aufnahmeort von Fotos und Videos sowie das verwendete Gerät. Ist man außerdem über das Smartphone bei Facebook eingeloggt, werden Daten zum Bewegungsprofil gesammelt. ggr-law.com weist außerdem darauf hin, dass man durch den Upload nicht nur ein einfaches Nutzungsrecht an Facebook überträgt, sondern durch die „Teilen“- und „Download“-Funktion auch die Kontrolle über die Verbreitung verliert. Dass möglicherweise nicht nur Freunde das Bild vom ersten Lächeln aufbewahren, zeigte etwa die angebliche Satire-Seite „Little Miss & Mister„, die auf öffentlichen Facebook-Profilen gezielt nach Kinderbildern suchte und diese repostete:

Auf eine Anfrage via Facebook-Nachricht antwortet ein Administrator: „Viele FB Nutzer schmeißen ihre Informationen durchs www wie Konfetti. Genau das wollen wir aufzeigen. Besonders liegt uns der Schutz von Kinderbildern am Herzen. Das www ist voll von üblen Menschen, die diese Bilder für ihre Zwecke missbrauchen und dem wollen wir entgegen wirken.“ Warum sie nicht offenlegen, wer sie sind? „Wir schützen uns und unsere Familien. Mit den „Wutmuttis“ ist nicht zu Spaßen.“ Gleichzeitig schicken die Betreiber Screenshots von wüsten Beschimpfungen und Drohungen betroffener Eltern. (faz.net)

Die betroffene Seite ist inzwischen offline. Allerdings speichert Facebook nach wie vor auf unbestimmte Zeit Kopien aller Inhalte.

Instagram

Wie WhatsApp ist auch Instagram ein Teil von Facebook. Sprich: Obwohl der Datenaustausch zwischen den Plattformen seit November 2016 angeblich gestoppt ist, geht der Streit vor Gericht derzeit weiter und das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Dazu kommen die Nutzungsrechte, die laut sofatutor.com u.a. folgende Punkte umfassen:

Instagram beansprucht für sich das Recht, deine Bilder weltweit zu verbreiten – auch außerhalb der Plattform. Es darf anderen erlauben, deine Fotos zu verwenden und deine Bilder an Dritte verkaufen. Und zwar ohne, dass du gefragt wirst oder etwas von dem Geld abbekommst. Das heißt im Extremfall, deine Fotos können überall auftauchen, z. B. auf Werbeplakaten.

Das gilt übrigens auch, wenn der Instagram-Account gelöscht wird.

WhatsApp

WhatsApp formuliert bei den Bildrechten uneindeutig und laut sofatutor.com ist entsprechend unsicher, was hier mit den gesendeten oder hochgeladenen Bildern passiert. Darf sich der Messengerdienst nur beim Profilbild bedienen oder meldet er auch Nutzungsrecht auf versendete Bilder an?

Wie machen es die anderen?

Viele stolze Mamas (und Papas) posten online nicht nur Name und Geburtsdaten, sondern zeigen auch alles vom Kinderzimmer bis zum ersten Zähnchen. Andere Mütter und Väter verpixeln die Gesichter ihrer Kinder, manche verdecken sie mit Emoticons oder achtn darauf, dass das Gesicht unkenntlich ist bzw. außerhalb des Bildausschnitts liegt. Viele sind der Meinung, dass Ultraschallbilder, auf denen das Geschlecht zu erkennen ist, nicht ins Netz gehören, und Nacktbilder sind mir in meiner Timeline bisher gar keine begegnet. Zum Glück, sage ich mal, denn im Gegensatz zu der sonst recht persönlichen Entscheidung über Bildmaterial, gehören nackte Kinderpopos und Co. einfach mal in den rein privaten Bereich. Doch was ist sonst noch wirklich privat?

Insta-Mama @jananibe hat mir diese Frage so beantwortet: „Für mich sind Bilder nur Abbilder eines Menschen. Wovor beschütze ich mein Kind denn, wenn ich sie verstecke? Unsere Welt birgt so viele Gefahren: Mir erscheint es als töricht zu glauben, dass mein Kind deswegen in Sicherheit wäre, bloß weil ich keine Fotos von ihr zeige. Schließlich gehe ich ja auch mit ihr durch die Straßen ohne sie zu verhüllen und geistesgestörte Menschen gibt es auch außerhalb des Internets.“

Damit hat sie durchaus Recht, finde ich: Selbst wenn wir unser Kind nur mit einem Sack auf den Kopf rauslassen, damit es niemand erkennen kann, sorgt am Ende der Sack für Identifizierung. Was können wir stattdessen tun?

Alternativen? Selber Entscheiden!

Wie gesagt ist die Entscheidung über das, was man zeigt und was nicht, eine rein persönliche Angelegenheit. Zunächst einmal sollte man sich also im Klaren sein, dass das Internet ein endloser Raum ist, der nicht bei den eigenen Freunden und Verwandten aufhört und außerdem ein nahezu unendliches Gedächtnis besitzt.

Das bedeutet aber nicht, dass wir unser Leben nicht mehr teilen dürfen:

  • Zum Beispiel gibt es neben WhatsApp weitere und sichere(re) Messengerdienste wie etwa Telegram; außerdem lassen sich private Schnappschüsse fast genauso schnell per Mail verschicken. Etwas aufwändiger ist der altmodische Brief mit echten Fotos (aber der hat dafür doppelten Erinnerungswert).
  • Wir haben bei jedem Post die Möglichkeit, den Inhalt individuell für uns zu prüfen: Sind die süßen Mausezähnchen weniger niedlich, wenn das Gesicht nicht vollständig zu sehen ist? Ist der echte Name des Babys relevant für unsere Follower? Klicken wir bei unserem täglichen Spielplatzbild auf „Ort hinzufügen“?
  • Ein selbstverständlicher, aber überlegter Umgang zählt: Unsere Welt ist digital, das ist Tatsache. Wir können unsere Kinder nicht von Handys, Computern und Tablets fernhalten, denn das gehört nicht nur zu unserem Alltag, sondern wird auch Teil ihres späteren Schul- und Berufslebens sein.
  • Wir müssen uns zuerst selbst informieren, um einen gesunden Umgang mit der digitalen Welt zu ermöglichen: Was wir nicht wissen, können wir auch nicht berücksichtigen und schon gar nicht weitergeben.

Alte Weisheiten in der neuen Welt

Omas Standardsatz gilt immer noch: „Tu nichts, was du nicht willst.“

Wenn wir das selbst berücksichtigen (und uns nicht von der „Mehr-Likes“-Falle fangen lassen) und auch unsere Kinder diesem Grundsatz entsprechend stärken, wachsen wir zusammen bewusst in die digitalen Möglichkeiten hinein. Nutzen – ja; ausnutzen lassen – nein. Schließlich sind Follower und Friends nicht immer auch Herzfreunde.

Kurzum: Bei der Entscheidung, welche Bilder und Information ich mit der Öffentlichkeit teile, geht es zum einen um die Selbstbestimmung der Beteiligten (wollen sie, dass ich über sie spreche und sie abbilde? Können sie das aktiv entscheiden, oder sind sie zu jung/unwissend?) und zum anderen um die Maßstäbe der medialen Datenspeicherung. Wenn ich beide Punkte bedenke, sieht das Ergebnis für mich derzeit so aus:

  • Meine Betrachtungen und meine Abbildung als (werdende) Mutter auf diesem Blog und auch auf meinem Insta-Kanal sind frei: Schließlich bin ich auf der Suche nach einem offenen Austausch mit anderen Mamas.
  • Kommt der Fipspapa ins Spiel, frage ich ihn um Erlaubnis (wenn ich nicht sicher bin, wie er darüber denkt) und/oder halte Texte eher allgemein.
  • Fips gehört sich selbst: Es wird keine Gesichtsbilder geben, keinen „echten“ Namen (auch nicht am Auto, übrigens) und selbstverständlich keine Nackibilder in der Badewanne.

Und wenn irgendwann der Wunsch besteht, dass ich Inhalte lösche (vermuteter O-Ton: „Mama, das ist soo peinlich!“), dann werde ich das tun (lassen). Schweren Herzens, aber letztlich findet das echte Leben eben doch außerhalb von Laptop und Smartphone statt.

2 Gedanken zu “Mein Baby im Internet? Datenschutz & Co.

  1. Becky schreibt:

    Ja, das ist kein ganz leichtes Thema und ich denke auch, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss. Ich persönlich halte meine Kleine möglichst raus. Bei Experimenten oder ähnlichem sieht man mal eine Hand, aber das Gesicht beispielsweise gibt es nicht zu sehen. Das ist für mich privat und hat nichts auf dem Blog oder Social Media zu suchen.
    Liebe Grüße, Becky

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s