Die Welt durch Kinderaugen sehen

Jeder kennt diese ganz besonderen Weisheiten und Sprüche, die nur kleine Kinder (okay, und Betrunkene) von sich geben können. Mein kleiner Neffe zum Beispiel:

  • beim Abzählreim-Aufsagen: „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen… und der Kleine isst sie alle auf“, mache ich vor. „Jetzt deine Hand“, sagt er, „hast du auch Daumen?“ – „Ja“, sage ich. Er, ungläubig: „Zwei?“
  • beim Kennenlernen meiner beiden Meerschweinchen: „Wie heißen die?“ – „Püppi und Mütze“, sage ich. Er, in höchster Empörung: „Mütze?! Das ist keine Mütze!!“
  • abends am dunklen See, mit Blick auf einen hellen Scheinwerfer am anderen Ufer: „Ist das die Sonne?“ – „Nein, die Sonne ist schon untergegangen“, sage ich. Er, kopfschüttelnd: „Die hat doch gar keine Beine.“

Gebt die Welt in Kinderhände!

Das sind nur drei Situationen, in denen Wohlbekanntes hinterfragt und Kurioses für buchstäblich genommen wird, so dass der für uns Erwachsene oft so banale Alltag plötzlich ganz neue und farbenfrohe Dimensionen annimmt.

Gebt die Welt in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende hat Herbert Grönemeyer vor gut dreißig Jahren in seinem Song „Kinder an die Macht“ gesungen, und alle Eltern dürften – Achtung, Kalauer! – wohl ebenfalls ein Lied davon singen können. Und mit dem Fips im Bauch kann ich es kaum erwarten, jeden Grashalm, jedes Ereignis und jede Gewohnheit noch einmal in neues, frisches Licht zu tauchen.

Doch was würde wohl passieren, wenn wir Kinder nicht nur den Alltag bunter gestalten lassen würden? Sondern wenn sie ihn nach ihren Wünschen und Maßstäben so richtig auf den Kopf stellen dürften? Wenn unsere häufigste Regel, das so macht man das eben nicht mehr gelten würde?

Wovon ich Kindern erzählen will

Aus solchen Gedanken entstand nicht nur mein Kinderwunsch, sondern auch ein ganz anderes „Baby“: Denn plötzlich stand Oskar Kuchenbuch vor mir, ein eigentlich ganz gewöhnlicher kleiner Junge. Wenn da nur nicht seine grünen Haare wären… denn die unterscheiden Oskar natürlich nicht nur von allen anderen Kindern, sondern vor allem von den Erwachsenen. Denn Oskars Haare sind nicht gefärbt, so wie bei seinem großen Bruder Pelle zum Beispiel, sondern von Natur aus grün. Grasgrün als wüchse auf seinem Kopf ein Fußballplatz.

Genau wie Oskar habe ich viel Zeit mit blödem und genialem Blödsinn verbracht. Ich erzähle, was Kindern an der Erwachsenenwelt mitunter gar nicht logisch vorkommt – und wie sie mit ihren Ideen die Welt ein wenig grüner machen, wenn man sie nur lässt.

Denn die ungewöhnliche Haarfarbe ist aber nicht das einzige Besondere an Oskar: Er hat vor allem die Fähigkeit, die Regeln der Erwachsenenwelt mit viel Herz und dem grünen Schalk im Nacken für sich zu interpretieren und eben diese Welt dadurch ein bisschen besser zu machen. Zuerst habe ich die Geschichten von Oskar nur erzählt – beim Gute-Nacht-Sagen oder zwischendurch auf einer Bahnfahrt. Bis eine Freundin sagte, dass sie diesen grünköpfigen Oskar gern mal zeichnen würde.

Aus diesem Anstoß entstanden schließlich die drei ersten Oskar-Geschichten auf Papier:

Oskar Kuchenbuch & der dunkelrote Dauerlutscher

Geben & Nehmen: Muss man immer mit Geld bezahlen, was man möchte? Oder gibt es auch andere Wege, die eigentlich viel schöner und am Ende sinnvoller sind?

Diese Geschichte handelt von den Möglichkeiten, die man als Achtjähriger hat, wenn einem das Taschengeld ausgeht. Und man trotzdem wahnsinnig gern einen von diesen köstlichen Dauerlutschern aus Herrn Dickbauchs Süßwarengeschäft haben möchte. Dabei geht es nicht nur um Geben & Nehmen nach Oskars Maßstäben. Sondern auch ein ganz klein wenig um das Wunder der Liebe und wie seltsam sich Erwachsene deswegen manchmal verhalten. –> Neugierig geworden? Hier geht’s zum Buch.

Oskar Kuchenbuch & die sauren Gurken

FreundschaftKann es echte Freundschaft nur geben, wenn der andere ist und lebt wie man selbst? Oder kann sich gerade aus dem Fremden und Unverständlichen eine viel schönere Verbindung entwickeln?

Oskar erinnert sich noch gut daran, wie er seinen besten Kumpel kennenlernte: Den komischen Samir, der mit seinem feinen Hemd und dem komischen Mittagessen in der Schule neben ihn gesetzt wurde, konnte er am Anfang nämlich überhaupt nicht leiden. Auch mit dem neuen Nachbarn Herrn Gräulich verbindet ihn außer Streit und Stänkerei gar nichts. … oder doch? Denn da ist auch noch Oskars bester Feind: der Hofhund Karacho, der Herrn Gräulich in Sachen schlechter Laune in nichts nachsteht. –> Neugierig geworden? Hier geht’s zum Buch.

Oskar Kuchenbuch & die grünen Haare

Fantasie & Familie: Die dritte Oskar-Geschichte lüftet das Geheimnis um Oskars naturgrüne Haare: Denn wenn er sie nicht von seiner lustigen, alleinerziehenden Mama geerbt hat, von wem hat er sie dann? Sein  nur gelegentlich auftauchender Vater Uwe Unkraut hat jedenfalls keinen grünen Schopf und ist auch sonst außerordentlich langweilig. Oskar freut sich also überhaupt nicht, als Uwe Unkraut für ein paar Tage auf ihn aufpassen soll… doch am Ende findet er nicht nur heraus, woher seine grünen Haare stammen, sondern auch, dass Uwe Unkraut gar nicht immer so furchtbar langweilig ist.

Illustrationen so bunt und Verrückt wie Kindergedanken

Wieso Oskar nicht in allen Geschichten gleich aussieht? Diese Frage ist leicht beantwortet: Jedes Kind ist anders und in jedem K(inderk)opf entsteht aus derselben Geschichte eine ganz andere Person. So wurden auch die beiden bisher erschienen Oskar-Bände von zwei unterschiedlichen Illustratorinnen bebildert (für Band 3 bin ich gerade auf der Suche). Auch sie haben sich ganz verschiedene Bilder von Oskar gemacht – so verschieden und bunt, wie Kinder das für uns so normale Einerlei unsere Welt eben sehen. Oskars an die Macht!

PS: … ist es überflüssig zu erwähnen, dass mich mein kleiner Neffe nach dem Erzählen der neusten Oskar-Geschichte Folgendes gefragt hat: „Hast du auch grüne Haare?“

2 Gedanken zu “Die Welt durch Kinderaugen sehen

  1. Becky schreibt:

    Du hast Recht, man bekommt wirklich viele neue Ideen und Impulse durch die Kleinen und man kann unfassbar toll mit ihnen experimentieren. Es ist total spannend, was sie spannend finden.
    Deine Bücher sind für die Kleinen bestimmt spannend. 🙂
    Liebe Grüße, Becky

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