Ich als Mama? Mein fünfter Brief an Fips

Liebster Fips,

wir sind nun in der 37. SSW und wenn du jetzt geboren wirst, wärst du kein Frühchen mehr. Kein Brutkasten mehr, keine Komplikationen. Nach 37 Wochen in meinem sicheren Bauch bist du bereit für die Welt. Und ich? Bin ich bereit für dich?

Es ist gar nicht so einfach, diese Frage zu beantworten. Seit fast 20 Wochen bewegst du dich in mir, mit jeder Woche wirst du dabei kräftiger und ich merke, wie es nun langsam eng wird für dich. An die Party in meinem Bauch habe ich mich gewöhnt – und auch daran, dass du einfach mal ein Beinchen rausstreckst und mir nachts damit jede Liegeposition ummöglich machst. Oder daran, dass du tagsüber einfach meine Blutzufuhr abschneidestund mir die Lichter ausknipst, wenn ich es mir auf dem Sofa zu lässig mache. All das ist irgendwie normal geworden.

Doch in +/- 21 Tagen ist das vorbei. Dann kommst du. Dann ist der Partybauch Vergangenheit und ein kleiner Mensch – du! – wird bei uns sein. Nicht zu Besuch, nicht zum Aufpassen, nicht nur mal so, sondern für immer. Du glaubst gar nicht, wie sehr wir uns freuen, wie sehr wir das noch gar nicht fassen können und wie viele Fragen sich stellen, wenn ich ans Mamawerden denke.

Wie werde ich als Mutter sein?

Eins ist wohl sicher: Du bist willkommen und wir wollen das Beste für dich. Aber – oh je! – was ist nur das Beste?! Cremen wir deinen Po mit Bübchen-Creme ein oder doch lieber mit nur Öl und Wasser? Wirst du dich geborgen fühlen, wenn wir dich tragen und auf unserer Brust schlafen lasse? Sollte ich deine Erstausstattung noch einmal waschen, um auch den letzten Rest urgroßmütterlichen Weichspüler zu entfernen? Werde ich einen Babyblues haben und wirst du es merken, wenn ich gar nicht so strahlen kann wie ich es mir jetzt wünsche? Merkst du, dass ich manchmal Angst habe, ob ich alles gut machen werde für dich?

Komischerweise mache ich mir um den Fipspapa und seine Liebe zu dir gar keine Gedanken. Ich bin mir sicher, dass er alles für dich tun wird (sogar Windelnwechseln). Und ich sage ihm, dass man Fehler machen wird und das auch darf, weil das menschlich ist, verdammt. Und dass du vieles vermutlich sogar verzeihen wirst.

Und ich? Ich glaube inzwischen, dass Erziehungsprinzipien nicht wirklich möglich sind, weil wir ja noch gar nicht wissen, was du für ein Charakter bist. Wirst du ein kleiner Raffzahn sein oder bist du mit wenig glücklich? Wirst du auswärts zum Zuckerjunkie, wenn wir zuhause keine Süßigkeiten haben, oder magst du das klebrige Zeug gar nicht so? Wirst du ein temperamentvoller Trotzkopf oder ein stilles Wasser?

Wir wissen es nicht. Was ich weiß, ist dies: Ich möchte…

  • … Geduld haben, dich deinen Weg finden zu lassen.
  • … immer so mit dir sprechen, dass du verstehen kannst, was ich sage.
  • … so für dich da sein wie du es brauchst.
  • … dich beschützen und dich gehen lassen, wenn du weitergehen möchtest.
  • … dich ohne Sanktionen anders sein lassen können als ich es für richtig halte.
  • … dich niemals als Belastung empfinden.

Sicher werden wir auch genervt und überfordert sein – ich von dir und du von mir. Ganz bestimmt. Denn so ist das mit Eltern und Kindern, so ist das mit Menschen und Menschen: Man kann niemals nur Sonnenschein haben. Aber ich wünsche mir sehr, dass das Momente sein werden und kein Dauerzustand. Denn wir haben uns dich gewünscht und ich bin so dankbar, dass du af deinem Weg zu uns gekommen bist.

Also, was auch geschieht: Ich möchte, dass du immer weißt, dass ich dich liebe.
Deine Mama

2 Gedanken zu “Ich als Mama? Mein fünfter Brief an Fips

  1. ellasschreibwelt schreibt:

    Weißt du was das Beste ist? Als (werdende) Mutter macht man sich unglaubliche viele Gedanken, aber Kinder sind da ganz einfach gestrickt: Schlafen, Essen, Geborgenheit und gern auch mal Windeln wechseln. Irgendwann später den Inhalt des gelben Sacks plündern: knistern, rascheln und wühlen.
    Aber mit ihnen darfst du noch mal Kind sein! Du musst nur aufpassen, dass du die Erwachsenen damit nicht erschreckst 😉
    Wirklich schwierig ist eigentlich nur, ihnen die passenden Werte mitzugeben. Damit legt man einen Grundstein für ihr weiteres Leben. Was für ein Glück, dass nicht alles davon bewusst abläuft 😉
    Welche Creme du benutzen solltest, kannst du eigentlich am besten rückwirkend beurteilen. Jede Mutter (oder auch Vater) hat da ein anderes Geheimrezept oder mischt bei einem wild schreienden Kind mit krebsrotem Hintern einfach alles zusammen, was passen könnte. Nichts bereitet dich auf dieses Abenteuer vor. Lass es passieren und leb mit den Konsequenzen. Irgendwann werden die Oskar Kuchenbuchs größer und reiben dir dann die gesammelten Weisheiten unter die Nase. Wer dann wohl das Kind ist???!
    Es ist leider nicht immer nur Spaß, auch viel anstrengender Alltag, aber Kinder verleihen dieser Welt Farbe und erinnern uns an das Wesentliche.

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