„Alles wird gut!“ Im Gespräch mit Instamama @jananibe

Von meinen Freundinnen haben nur wenige Kinder, und die wohnen auch noch weit weg. Bei meiner Suche nach Mit-Mamas wurde ich also eher virtuell fündig… und bei Instagram begegnete mir als einer der ersten Kontakte Jana aus München. Die Bilder ihrer kleinen Strahletochter Lilly haben mir sofort gefallen, genauso wie die forsch-frechen Beiträge auf ihrem Blog. In einem offenherzigen Interview hat Jana mir nun beantwortet, wie sie als Instamama mit dem Thema Datenschutz umgeht, wie das Zusammenleben in ihrem 3-Generationen-Haushalt funktioniert und wie das Leben als Mutter sie verändert hat.

#wearefamily 😎(ignoriert bitte den Weichmacher-Filter vom Herzchen-Modus 😅)

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Stell dich doch mal kurz vor: Wer bist du, was machst du, wo kommst du her? Welche drei Dinge machen dich aus?

Das ist ja wie beim Bewerbungsgespräch! Aber gut: Ich bin (die) Jana, angepasste Querdenkerin, narzisstische Selbstzweiflerin und, last but not least, junge Mutter und Ehefrau. In München geboren und aufgewachsen, bin ich gelernte Medienkauffrau und Studienabbrecherin der Technischen Redaktion, immer mal wieder schlechteste Sekretärin des Jahrhunderts und dann doch wieder im Gespräch für einen vielversprechenderen Job bei den Medien. Doch jetzt, genau jetzt in diesem Moment, bin ich eine arbeitslose Mutter in Elternzeit, die versucht mit ihrem Mann eine Medien-Agentur aus dem Boden zu stampfen.

Und drei Dinge die mich ausmachen? Ich bin der Überzeugung, dass es der falsche Ansatz ist, Menschen in Schubladen zu zwängen. Oft stehe ich morgens auf und erkenne mich ja selbst nicht wieder im Spiegel, weil sich über Nacht etwas in mir verändert hat. Diese Schublade, in die ich gestern noch reingepasst habe, ist plötzlich sozusagen aufgebrochen und durchwühlt worden.

Die geborene Mutter

Und gleich rein ins Instamama-Fragevergnügen: Du bist Ende 2016 Mutter geworden. Was hat sich in deinem Leben verändert?

Als Frau habe ich mich nie vollständig gefühlt und mich oft in endlosen Sackgassen verirrt. Seit ich Mutter einer Tochter bin, weiß ich, was ich all die Jahre gesucht und vermisst habe. Dabei hatte ich unheimliche Angst vor der Mutterschaft: Ich befürchtete kalt und herzlos zu sein. Doch schlussendlich stellte sich heraus, dass ich das genaue Gegenteil bin. Mutter sein ist einfach mein Ding!

Mein Leben ist jetzt erfüllt und voller Sonnenschein. Dass das kitschig klingt, ist mir durchaus bewusst, aber es ist mir total egal, denn es ist einfach die Wahrheit. Negative Gefühle kenne ich natürlich trotzdem: Oft fühle ich mich müde und ausgesaugt – im wahrsten Sinne des Wortes, da ich seit fast neun Monaten stille. Als Mutter kommt man außerdem zu nichts mehr und steht ständig unter Strom. Zeit für mich habe ich kaum bis gar nicht mehr – und das vermisse ich.

Mehr Toleranz für den Weltfrieden… hab ich das wirklich grad gesagt?

Du wohnst mit Mann und Tochter zusammen mit deiner Mutter in einem 3-Generationen-Haushalt. Warum (abgesehen von den horrenden Münchner Mietpreisen) habt ihr euch dafür entschieden?

Ich liebe meine Mutter wirklich, auch wenn diese Liebe zu ihr nie einfach war. Familie ist mir wichtig und ich möchte auch meiner Tochter diese Werte vermitteln. Warum alles alleine bewältigen, wenn man sich gegenseitig helfen kann. Schwächen anzuerkennen ist doch eine Stärke, oder?

Und wie läuft das Zusammenleben so?

Das Zusammenleben in unserem 3-Generationen-Haus könnte nicht besser laufen. Wirklich. Jeder profitiert und weiß das auch. Wir sind uns bewusst, was wir dem anderen zu verdanken haben. Meine Mutter kümmert sich zum Beispiel ganz gut um den Haushalt und nimmt mir oft die Kleine ab. Dafür bin ich ihr sehr, sehr dankbar.

„Leben und leben lassen“ ist unser Motto: Natürlich schütteln wir oft den Kopf über die seltsamen Macken des anderen, aber zum großen Knall ist es bisher noch nicht gekommen.

Was würde sich deiner Meinung nach in unserer Gesellschaft ändern, wenn wir uns wieder mehr auf das Konzept „Großfamilie“ bzw. „Mehrgenerationenhaushalt“ einlassen würden?

Viele Menschen haben verlernt zu akzeptieren, dass sie nicht perfekt sind. Unsere Gesellschaft wäre viel sozialer, wenn wir unseren Mitmenschen, zum Einen öfter unsere Hilfe anbieten würden und diese sie zum Anderen auch annehmen würden, ohne dabei das Gefühl des Versagens zu empfinden. Denn niemand kann alles allein schaffen. Doch stattdessen wird verlangt, dass sich die Großeltern bloß nie in die Erziehung der Enkel einmischen und am besten gleich ganz die Schnauze halten. Da heißt es dann schnell: „Wenn die das machen, verbiete ich ihnen den Umgang!“

Warum, frage ich mich? Weil ihre Einstellung nicht in das perfekte Mutter-Vater-Kind-Konzept passt? Meiner Meinung nach ist die Liebe aller Familienmitglieder für ein Kind wichtiger als irgendein strikter, idiotischer Lifestyle-Family-Plan, wie die heile Welt genau auszusehen hat. Toleranz ist da mein großes Stichwort!

Wäre die Gesellschaft außerdem etwas toleranter, wäre so vieles einfacher. Familienzusammenhalt und ein tägliches Miteinander sind da nur der Anfang, und dafür muss man gar nicht zwangsläufig im selben Haus wohnen. Generelle Akzeptanz gegenüber Andersdenkenden und -glaubenden wäre der nächste Schritt zu einem friedlicheren Zusammenleben. Ui, habe ich da gerade echt auf den Weltfrieden angespielt?

Hey ihr Süßen, die liebe @marcella_valentina hat mich heute bei meinem Mama-Fitness-Training unterstützt. Marcella hat einen Hintern – vom anderen Stern sag ich euch 🏋🍑 Schaut doch mal bei ihr auf dem Profil vorbei 😍😍😍🙋🏼 Die Übung die wir hier machen nennt sich Sumo Squats (Kniebeugen) und ist mit Babyhantel oder wahlweise der Mopshantel sehr effektiv! Puhhh und ganz schön anstrengend. Ich hab ja die letzten Tage kulinarisch echt viel gesündigt. Deshalb war heute wieder @babybellyfitness angesagt 💕💪🏻 Ja gut, und einen ordentlichen Brunch haben wir uns vorher gegönnt 😂😜 Achso, eins möchte ich noch sagen: Lillys Geburt ist schon 6 Monate her. Die Übung würde ich vielleicht keiner ganz frisch gebackenen Mama empfehlen 🙊🤗 #sumoquats #kniebeugen #fitnessmotivation #fitmom #fitnessmitbaby #bbf #mommy #mommyblogger #fitness #baby #babygirl #babyhantel #mopshantel #mops #pug #dog #hund #sport #instamom #instababy #instapug #fitpug #frenchbulldog #frenchbulldogs #frenchiepug #babybellyfitness

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Die wilde Insta-Community

Apropos Gesellschaft, Toleranz und erweiterte Familie: Auf deinem Instagram-Account teilst du deinen Mama-Alltag mit fast 10.000 Followern und folgst selbst fast 2.000 Accounts. Was bedeutet dieser Austausch von Bildern und Gedanken für dich?

In der Schwangerschaft hatte ich mit vielen körperlichen und emotionalen Problemen zu kämpfen, die mir Angst gemacht und mich beschäftigt haben. Diese Gedanken rund ums Kinderkriegen und -haben können aber auch nur Menschen nachvollziehen, die selbst in derselben Situation stecken bzw. gesteckt haben. Da hat mir die Instamama-Community sehr geholfen!

Und natürlich ist die Plattform auch ein Austausch von Wertschätzung und Anerkennung, die man als Schwangere oder Mutter in der Gesellschaft und vor allem im Job traurigerweise schnell verliert: Mit Beginn der Schwangerschaft habe ich mich manchmal gefühlt wie ein ausrangierter Güterwagon. Als hätte man mir den Stempel defekt aufgedrückt!

Auch für meinen Mann war es schwer, mich zu verstehen, und wenn man ehrlich ist, sprechen die meisten Männer nicht gern stundenlang über Babykram. Verständlich – Männern bleibt die direkte Erfahrung der Schwangerschaft verwehrt und so lebt man neun Monate auf zwei sehr weit entfernten Planeten. Durch die öffentlichen Medien habe ich – ähnlich wie bei einem Tagebuch – einen Weg gefunden, meine Gefühle mit Gleichgesinnten zu teilen. Aber natürlich konnte auch mein Mann mitlesen und so haben wir irgendwie wieder einen Zugang zueinander gefunden, weil ich ihm meine hormonbeladenen Emotionen nicht permanent aufgedrängt habe. Der Austausch von Bildern und Gedanken auf Instagram bedeutet mir daher enorm viel und er ist wirklich ein großer Teil meines Alltags. Manchmal ein zu großer Teil.

Immer öfter ist bei Instagram die Rede davon, dass die Community wie ein Wettbewerb in Sachen Kinderfortschritt funktioniert („Wie, dein Kind krabbelt noch nicht?!“) oder Follower nur ihre eigene Meinung für richtig halten und entsprechend herumpöbeln. Wie empfindest du das und wie gehst du damit um?

Es gab tatsächlich Zeiten, in denen von anderen Müttern viel herumgepöbelt wurde. Auch ich musste mich schon beschimpfen lassen. Damals war ich so geschockt, dass ich erst mal alle Bilder meines Kindes gelöscht und Instagram wochenlang nicht angerührt habe. Mir hat das sehr wehgetan. Doch mittlerweile haben solche Mutter-Zicken schlechte Karten, da unsere Gemeinschaft sehr eng ist und wir versuchen, uns gegenseitig zu unterstützen. Unangebrachte Kommentare lösche ich nun einfach sofort.

Was den Konkurrenzkampf angeht: Viele Mamas lassen sich von den Fortschritten der anderen unter Druck setzen. Ich glaube aber nicht, dass Eltern Meilensteine ihrer Kinder veröffentlichen, um einen Wettkampf zu gewinnen. Man ist halt stolz und freut sich – natürlich möchte man solche Momente teilen. Mich tangieren die Fortschritte anderer Kinder mich überhaupt nicht. Jedes Kind muss seinen eigenen Weg finden. Besagter Konkurrenzkampf existiert ja nicht erst, seitdem es soziale Netzwerke gibt.; Menschen sind aber eben Individuen. Das ist doch großartig! Also, wo ist das Problem?

Hallo ihr Lieben, 😂😂😂 so geil! Gestern sind wir zum 30. Geburtstag einer Freundin gefahren. (Nochmal herzlichen Glückwunsch Maus, sorry dass ich die ganze Zeit mit Kind beschäftigt war 🙈) Und da machen wir die Autotüre auf und Lilly sitzt einfach mal so, also total blind mit ihrem Haarband vor den Augen, hinten in ihrem Maxi-Cosi und wartet mucksmäuschenstill dass Mama und Papa sie endlich befreien. Wir mussten erstmal soooo lachen 😂😂😂. Unser Mädchen! Wie immer zufrieden mit der Welt 💕. Ganz so friedlich blieb es dann aber nicht. Kennt ihr diese ignoranten Eltern, die einfach nicht wahrhaben wollen dass ihre Kinder zur späten Stunde einfach ins Bett gehören und deshalb quengeln und weinen?! Haha jo … Wir gehörten gestern auch zu dieser Gruppe Eltern. Wir hätten so gern noch etwas mitgefeiert aber Kinder brauchen nunmal ihre gewohnten Rituale. War auch nicht schlimm. Ich hatte eigentlich vor mir eine ordentliche Pizza und richtig fett Nachspeise zu gönnen. Leider hatte ich dann nur ne Vorspeise 😪 (die im übrigen sehr lecker war) #lifewithkids 😜 Naja, mein Abend hatte dann zwei ganz andere "Highlights". Nämlich als Lilly volle Kanne schwallartig auf den Restaurantstuhl kotzte (gefühlte 2 Liter Milch). Und dann noch ein weiteres Mal ihren kompletten Mageninhalt auf mir entleerte und ich dann patschnass und leicht peinlich berührt nach Hause fuhr während mein Mann noch bleiben durfte 😅. Ach ja, Messer, Gabeln und Gläser sind übrigens auch nicht mehr sicher vor Lilly. Jaaaa, sie hat sich gleich das Messer auf dem Tisch gegrabscht und ich dachte mir so … Oh **** 🙈🙀😬😂 Spielzeug auf dem Bild von @meinespielzeugkiste wird immer noch heiß und innig geliebt. Code 🙋🏼 jananibe 🙋🏼 Damit könnt ihr einen Monat gratis testen. 😘

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Reizthema Datenschutz

Viele Instamamas verpixeln die Gesichter ihrer Kinder oder verdecken sie mit Emojis etc.: Wie gehst du für dich mit dem Thema Datenschutz um?

Datenschutz ist ein heikles Thema. Vorweg möchte ich sagen, dass ich hier jede Entscheidung respektiere – die der Mamas, die ihre Kinder offen zeigen genauso wie die, die Gesichter bewusst verpixeln oder erst gar keine Fotos hochladen. Ansonsten kann ich nur für mich selbst sprechen: Und ich habe mich entschieden, öffentlich Bilder meiner Tochter zu zeigen.

Für mich sind Bilder nur Abbilder eines Menschen. Wovor beschütze ich mein Kind denn, wenn ich sie verstecke? Unsere Welt birgt so viele Gefahren: Mir erscheint es als töricht zu glauben, dass mein Kind deswegen in Sicherheit wäre, bloß weil ich keine Fotos von ihr zeige. Schließlich gehe ich ja auch mit ihr durch die Straßen ohne sie zu verhüllen und geistesgestörte Menschen gibt es auch außerhalb des Internets.

Natürlich bin ich als Mutter angehalten, mein Kind stetig vor realen Gefahren zu beschützen – und das tue ich! Aber Mobber werden immer einen Weg finden andere zu verletzen. Alles, was ich tun kann, ist, meiner Tochter ein gesundes Selbstwertgefühl und starken Familienzusammenhalt mitzugeben, also einen sicheren Hafen im Kreis der Familie, damit mögliche Anfeindungen von außen später mal an ihr abprallen.

Es wird alles gut, glaub‘ mir!

Apropos Selbstwertgefühl: Wenn du jetzt deinem – sagen wir mal – 20jährigen Ich begegnen würdest: Was würdest du dir zu sagen haben?

Ach herrje, mein 20jähriges Ich! Rückblickend war diese Zeit emotional sehr aufwühlend für mich. Ich wäre gern schon immer dieses unbeschwerte Vorzeige-Blondchen gewesen. Aber Fakt ist, dass es mir viele Jahre psychisch sehr schlecht ging. Gedanken um den Sinn des Lebens haben mich so sehr gequält, dass ich körperliche Schmerzen hatte. Ich war überzeugt, in dem Lauf der Dinge nie einen Sinn zu finden. Hätte ich ein Bild malen sollen, wäre es vermutlich pechschwarz gewesen.

Würde ich mir heute begegnen, würde ich mir ein „Alles wird gut!“ zuflüstern und mich vielleicht mal in den Arm nehmen: Es gibt eben Phasen im Leben, die man nie glaubt überwinden zu können, und irgendwann ist da plötzlich doch wieder Licht am Ende des Tunnels.

Und zum Schluss noch was Schönes: Was wünscht du dir noch von deinem ersten Jahr als Mama?

Mein sich dem Ende zuneigendes Elternzeitjahr ist bisher mit Abstand der schönste und spannendste Lebensabschnitt. Ich wünsche mir, dass sich Lilly weiterhin so gut entwickelt und Freude am Leben hat. Und Abstillen wäre super, es wird langsam Zeit! Dann könnte ich auch mal wieder für ein paar Stunden entspannt das Haus verlassen. Auch einen Job zu finden, der sich mit meiner Rolle als Mutter vereinbaren lässt, ist ein großer Wunsch von mir. Natürlich wäre ich lieber noch ein oder zwei Jahre nur für mein Kind dagewesen, aber das ist ein Luxus, den sich nur wenige leisten können.

Vielen Dank, für deine Zeit und Offenheit, liebe Jana! 

2 Gedanken zu “„Alles wird gut!“ Im Gespräch mit Instamama @jananibe

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