Kleine Wohnungen babygerecht einrichten?

Meine Wohnung war eigentlich ganz schön. Moment: War? Ein frisch ausgebauter Dachboden mit großem Südbalkon und 60 Quadratmetern, Wohnzimmer mit vier Meter hoher Decke und offener Küche, Dachfenstern und einer Kuschelecke auf zweiter Ebene… das müsste doch immer toll sein! Stimmt. Allerdings nur, wenn man Single ist.

Für einen Single ist meine Wohnung perfekt gewesen: offener Kleiderschrank, Platz für Omas Erbstücke, viel freier Raum zum Atmen. Als der weltbeste Ehemann letzten Winter einzog, wurde der Platz deutlich knapper. Dazu eine kleine Anekdote: Am Ende der Umräumaktionen (unter anderem zog Omas niedlicher Küchenschrank ins Schlafzimmer, weil Ehemanns Monstrum an Kleiderschrank nur ins Wohnzimmer passte) betrachtete der beste aller Männer den nun „optimal“ genutzten Schlafraum und ich konnte ihn buchstäblichen nach positiven Worten suchen sehen. Was raus kam, war dies: „Jetzt sieht es aus wie ein richtiges Schlafzimmer! So richtig… vollgestellt!“

Ich habe mich vor Lachen fast verschluckt. Keine Ahnung, wie richtige Schlafzimmer so sind, aber voll ist unseres definitiv! Dafür hat der Krempel von zwei Personen völlig gereicht – und nun kommt bis Oktober ja auch noch der Fipskram dazu.*

Ein eigenes Babyzimmer ist undenkbar: Wenn ich mich von meinem geliebten Schreibtisch trenne, kriegen wir maximal ein Achtelzimmer zusammen. Wir müssen uns also etwas überlegen, wenn wir nicht an Klaustrophobie zugrunde gehen wollen. Hier sind meine Tipps, wie man Raum in der kleinsten Hütte findet!

1. Ausmisten

Wozu hat man eigentlich dieses Topf-Set, in dem immer alles anbrennt? Etwa nur wegen der tollen Farben und der stylischen Griffe? Wann kam das Kleid mit dem sexy Beinschlitz im deutschen Sommer eigentlich das letzte Mal zum Einsatz? Und was ist mit dem schicken Sessel, in dem nie einer sitzt, weil das Sofa viel bequemer ist? Ist dieses Sammelsurium halbleerer Putzmittelflaschen eigentlich sinnvoll?

Ihr kennt die Antwort. Also raus damit! Ausmisten sorgt nicht nur in Kleider- und Küchenschränken bzw. auf Dachböden und in Kellern für Luft, sondern kann auch die Seele ungemein befreien. Wenn außen Ordnung herrscht, kommt auch das Innen zur Ruhe: Zumindest lautet so mein Geheimrezept, wenn in meinem Inneren Aufruhr herrscht (und das tut es während der Schwangerschaft mit all ihren emotionalen Aufregungen und Ängsten ja öfter).

2. Platznutzung optimieren

Die aussortierten Sachen lassen Lücken zurück: Bevor die gleich wieder mit neuem Zeug verstopft werden, ist jetzt der Moment, sich neu zu organisieren. Hat es nicht schon immer genervt, dass die Kaffeetassen näher am Herd als an der Kaffeemaschine stehen? Würde das Sofa auf der anderen Raumseite den Raum nicht deutlich größer machen? Nervt es nicht, dass im Bad tausend Fläschchen, Döschen und Tuben in freier Wildbahn durcheinander purzeln?

Dann ist jetzt die große Chance zum Durchrücken, Sortieren, Auf- und Umräumen gekommen. Das Geschirr wandert an den Ort, an dem es mit einem Griff zur Hand ist; die Möbel werden umgestellt (der Bauch ist obendrein die beste Ausrede, diese Aufgabe an andere zu delegieren und mit einer Tasse Stilltee in der Hand „noch ein bisschen mehr nach links… nein! Stopp! Zurück!“ zu rufen); und das Chaos im Bad lässt sich mit einem Regal oder hübschen Körbchen in den Griff kriegen. So ist dann entweder Platz für Babyzeug oder einfach ein bisschen mehr Luft.

Ihr braucht Inspiration? Spezielle Blogs wie ordnungsliebe.de oder Fräulein Ordnung oder Instagram-Accounts wie der von Marie Kondo haben sich sogar auf stylische und kreative Tipps für Ordnung im Haushalt spezialisiert. So macht Platznutzung sogar richtig Spaß.

3. Auslagern

Der schicke Sessel muss raus, aber trennen kannst du dich noch nicht? Die engen Hosen gehen dank Babybauch zwar gerade nicht mehr zu, sollen aber bald wieder passen? Das gute Goldrand-Geschirr von Tante Rosalia muss vor zerstörungswütigen Babyhänden erst mal in Sicherheit gebracht werden?

Dann ist Auslagern das Zauberwort. Falls du noch Platz hast, können Möbelstücke und Kartons erst einmal auf den (dank Punkt 1 wieder freien) Dachboden oder in den Keller. Alternativ (und vorrübergehend!) haben vielleicht auch Freunde und Verwandte ein bisschen Stauraum übrig, den du nutzen kannst. Und zur allergrößten Not lassen sich unter dem Stichwort „Lagerräume mieten“ über das Internet Selfstorage-Locations ausfindig machen. Die sind allerdings auf die Dauer gar nicht billig, also sei ehrlich: Brauchst du den Sessel wirklich, haben diese Hosen jemals gepasst und ist Tante Rosalias Geschirr überhaupt dein Stil?

Auch wenn du dich gegen die Einlagerung entscheidest: Was dir lieb und teuer ist, muss nicht auf den Müll wandern: Über Kleiderkreisel und Co. kannst du alte Klamotten tauschen (zum Beispiel gegen Umstandmode oder die Baby-Erstausstattung) und viele Second-Hand-Läden nehmen nicht nur Kleidung, sondern auch Bücher, Haushaltsgegenstände oder sonstigen Krimskrams an. Einfach mal nach dem nächsten OXFAM-Shop oder Sozialkaufhaus in deiner Nähe googeln! Über Flohmarkt-Apps wie Shpock oder ebay Kleinanzeigen kannst du Überflüssiges auch selbst gegen einen kleinen (oder größeren) Obulus verkaufen. Und das spült sogar Geld fürs Baby in die Kasse.

4. Nur das Nötigste anschaffen

Ist diese Babywippe nicht unfassbar praktisch? Sind diese Kuscheltiere nicht unwiderstehlich niedlich? Kann man jemals genug von diesen süßen, kleinen Miniklamotten haben? Und dieser Babykleiderschrank ist doch toll! Außerdem ist da noch der Spielebogen, die Mini-Werkbank, das Leuchtedrachen-Nachtlicht, der Vaporisator, der Laufstall, das Tagesbett… und… und… und…

Oh ja. Das kenne ich: Bei Babysachen ist eins niedlicher als das andere und vor lauter Vorfreude möchte man am liebsten alles haben. Zwei Mal. Mindestens! Aber was braucht so ein Mäuschen? Unsere Erstausstattungsliste wurde mit Hilfe unserer Hebamme gnadenlos zusammengestrichen. Das traf weniger die Kleidung als die Accessoires: Denn hier gibt jede Menge technischen Schnickschnack, der das Leben vielleicht leichter macht, aber auch einfach durch Vorhandenes ersetzt werden kann (zum Beispiel taugen ein Kochtopf und kochendes Wasser ganz prima zum Sterilisieren, ohne dass noch ein sperriges Gerät in der Küche herumsteht).

Ansonsten gilt: realistisch bleiben. In den ersten Monaten wollen Babys trinken (bei Mama), schlafen (bei Mama) und einen sauberen Popo haben. Wo man sie wickelt, ist ihnen dabei völlig wurst – Hauptsache, es geht schnell, ohne Runterfallen und ohne Frieren. Ein Beistellbettchen passt dagegen locker neben das Bett, wenn man den Nachtschrank rausschmeißt (die berühmte „Goodie“-Schublade hat jetzt vermutlich zwischen Füttern und Windeln eh erst mal Sendepause und zum Lesen der aufgestapelten Bücher kommt man genauso wenig). Zum Spielen und Erfreuen reichen vorerst die eigenen Füße, Papas Grimassen und ein Rascheltierchen, das die Säuglingsfaust umfassen kann.

Und nicht vergessen: Die Geschäfte schließen nicht am Geburtstermin: Auch wenn es sich für einen als werdende Mama so anfühlt als wäre dies der Tag der Tage, geht das normale Leben ungehindert weiter… und man kann Fehlendes jederzeit besorgen.

5. Glücklichmacher integrieren

Teilweise hängt dieser Punkt mit dem zweiten Schritt zusammen: Denn mich machte ein Regal in der Küche, das die Vorratshaltung in Kartons ersetzte und damit die vorhandene Arbeitsfläche von 30 auf luxuriöse 50 Zentimeter erweiterte, definitiv glücklich. Es können aber auch Dinge wie ein Dusch-Rollo sein (der weltbeste Ehemann ist definitiv entspannter, seitdem er in der Wanne im Stehen duschen kann). Oder ein Teppich, der einem beim Aufstehen an kalten Wintertagen die Füße wärmt. Oder dieses Bild, das du jedes Mal aufs Neue wunderschön findest. Oder ist es ein einfach anständiges Kissen im Bett?

Noch hast du Zeit, dich ganz um dich zu kümmern: Was tut dir gut? Wovon träumst du aus praktischen oder ist-einfach-so-schön Gründen schon lange? Du weißt es? Dann check das Budget und gönn es dir. Und zwar nicht nur, weil deine Glückshormone auch den Babybauch happy machen. Denn die Wohnung wird nicht größer dadurch, nein! Aber jeder Tag ist schöner, wenn man sich über etwas freut, das den Platzmangel ein wenig kompensiert.

6. Keine Perfektion anstreben

Zuerst geht es darum, sich mit wenig Platz bestmöglich zu arrangieren und Raum für alles Nötige zu finden. Wie das Ganze am Ende aussieht, ist erst mal zweitrangig. Ja, ich wünsche mir manchmal auch, dass ich hübschere Fotos für meinen Insta-Account machen könnte (wo kriegen die anderen Mädels nur immer die leere weiße Wand als Hintergrund her? Bei mir ist jede Wand irgendwie belegt! Oder schräg.) – aber ist das wirklich wichtig? Eigentlich nicht. Wichtig ist, dass man sich in den eigenen vier Wänden nicht selbst beim Leben behindert.

Im Gegenteil: Jetzt ist die Zeit für jede Menge Freude. Jetzt ist der Moment, sich glücklich zu machen, sich wohl zu fühlen und Power zu schöpfen für alles, was kommt!

* Zum Glück ist die kleine Wohnung bei uns nur eine Lösung auf Zeit. Ein Hoch auf die Berliner Mietpreise und das Eigenheim im Grünen!

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