„Sich glücklich atmen“: A Mana Life über Pränatal-Yoga, Entschleunigung und nachhaltige Kinderprodukte

denise-amanalife-yoga-2Strahlend, entspannt und ausgeglichen: So habe ich Denise von A Mana Life kennengelernt als sie bei meinem Arbeitgeber frühmorgendliche und abendliche Yogakurse anbot, um unsere schreibtischgebeugten Rücken zu entlasten.

Die wöchentlichen Yogaübungen haben meine Liebe zu dieser wunderbaren Nicht- und Irgendwie-doch-Sportart endgültig angefacht – umso froher bin ich, dass Denise im Berliner Kiez Prenzlauer Berg auch Pränatal-Kurse anbietet. Außerdem hat mich ihre positive Ausstrahlung von Anfang an fasziniert: Zwischen Elternzeit mit ihren beiden kleinen Söhnen, der Gründungsphase ihres Family-Concept-Stores und Yogamatte scheint sie dahinzuschweben wie ein Yogi-Engel. Deswegen wollte ich mehr über sie und ihre Leidenschaft für Yoga wissen:

Stell dich kurz vor: Wer bist du, was machst du, wo kommst du her?

Vor meiner Elternzeit war ich Head of Marketing und PR und habe meine Brötchen mit Schreiben, Reden und Delegieren verdient. Als ich noch Zeit hatte, habe ich sogar mal angefangen ein Buch zu schreiben, um die Leidenschaft fürs Wort und Dinge aus dem Mama-Alltag zu verbinden – aber derzeit liegt das wegen Zeitmangel eher auf Eis.

Im Großen und Ganzen versuche ich trotzdem ein entspanntes Familienleben zu führen und das mit meiner täglichen Yogapraxis und meinem kleinen Wahn für Chaos, Abenteuer und ständig Neuem zu verbinden.

Du gibst Yogakurse für Schwangere. Was unterscheidet sie von „normalen“ Yoga-Kursen?

Oh, ganz viel eigentlich! Im normalen Yoga nimmt man ja keine Rücksicht auf das kleine Wunder unter dem Herzen – und das allein bedeutet schon Umstellung. Zum normalen Yoga gehören zum Beispiel viele Atemtechniken, die für Schwangere nicht empfehlenswert sind. Außerdem gibt es viele Bauchlagen, Rückbeugen aus der Bauchlage und viele Bauchmuskelübungen, bei denen der Bauchnabel zur Wirbelsäule zieht.

Stärke statt Leistung

Das alles ist beim Schwangerschaftsyoga ein absolutes No-Go. Hier liegt der Fokus vielmehr auf der sanften Stärkung des Körpers für die Geburt und besonders auf der bewussten Atmung während des Geburtsvorgangs. Tatsächlich liegt der Schwerpunkt immer mehr auf dem Atmen, je weiter die Schwangerschaft fortschreitet.

Außerdem bestimmt der Bauchumfang mit, was man noch machen kann – genau wie die Wehwehchen, also Sodbrennen, Rückenschmerzen, Übelkeit, geschwollene Füße und Hände, Wassereinlagerungen, niedriger Blutdruck und das „Aufweichen“ der Bänder und Gelenke durch die Hormone. All diese Bedürfnisse und besonderen Gegebenheiten werden im Schwangerschaftsyoga aufgegriffen und die Übungen entsprechend angepasst – etwa um den Rücken zu entlasten. Es gibt sogar verschiedenen Asanas, die bei Übelkeit oder Sodbrennen helfen – oder wenn das Baby bis zum Schluss sich einfach nicht drehen will (Beckenendlage). Kurz: Die Yogapraxis verändert sich bei einer Schwangerschaft genauso wie das tägliche Leben und der Körper.

Wieso ist der Atem dabei so wichtig?

Wenn man sich achtsam auf das Ein- und Ausatmen konzentriert, kann man den Geist beruhigen und sich entspannen. Außerdem nehmen wir mit jedem Atemzug neue, frische Energie auf: Man kann sich also buchstäblich glücklich atmen! Beim Schwangerschaftsyoga empfiehlt sich dafür die Wechselatmung: Sie dauert ca. 3-5 Minuten und man kann sie auch zuhause gut üben. Bei der Geburt kann diese Atempraxis dann dabei helfen, den überwältigenden Schmerz, der gerade zu Geburtsbeginn auf einen einstürzt, einordnen und fassen zu können. Körper und Geist werden so wieder in Gleichklang gebracht.

Außerdem hat die Gebärende durch fließendes und ruhiges Atmen die Möglichkeit, sich ein wenig von der Außenwelt zurückzunehmen und sich bewusst mit ihrem Selbst und ihrem Kind zu verbinden. Beim jedem Einatmen wird Kraft gesammelt, während beim Ausatmen losgelassen wird und das Kind ein Stückchen weiter in den Geburtskanal gleiten kann.

Mund auf – Beckenboden entspannen!

Beim Yoga atmet normalerweise viel durch die Nase ein und aus. In den letzten 4-6 Wochen vor der Geburt empfiehlt es sich allerdings, mit einem bewussten „lauten Hauchen“ durch den Mund auszuatmen und dabei den Kiefer zu entspannen. Denn unser Kiefer ist mit dem Beckenboden verbunden und wenn man ihn weit öffnet, dann öffnet und entspannt sich auch der Beckenboden. Und genau dieses Loslassen ist während der Geburt ganz wichtig: Wer in sich selbst verhaftet ist, weil der Schmerz zur Verspannung des Kiefers, zum Luftanhalten und wohlmöglich zu spitzen Iiiiih-Schmerzschreie führt, dann verhärtet der Beckenboden regelrecht und nichts passiert.

Das kann man übrigens schon vorher mit der „Eselsübung“ testen: Einfach mal laut „I-Ah!“ machen und beobachten, was mit dem Beckenboden passiert!

Damit man sich in der Extremsituation der Geburt gut zurechtfindet, ist es ratsam, das bewusste Atmen zum Schluss der Schwangerschaft regelmäßig zu üben. Denn alles, was man bereits an die hundert Mal gemacht hat, kann das Gehirn dann auch in Ausnahmesituationen abrufen. Also bewusst frische Luft und Energie durch die Nase einatmen und ausatmen durch den offenen Mund, am besten auf einen „a“-Laut und die Luft nach unten schieben.

Worauf sollte man als werdende Mutter achten, wenn man zuhause allein Yoga macht?

Hier kommt es vor allem darauf an, in welchem Stadium der Schwangerschaft man sich befindet und ob man vorher schon mal Yoga gemacht hat. Wenn man die Übungen schon kennt, ist es eigentlich keine Umstellung für den Körper und bei einer intakten, normal verlaufenden Schwangerschaft kann man einfach weitermachen und sollte nur bestimmte Asanas vermeiden. Das gilt vor allem am Anfang, also bis zur 10. Woche.

Wenn man ab dem ersten Trimester (weiter) Yoga macht, sollte einem zusätzlich bewusst sein, dass man sich in einem ganz neuen Umstand befindet und der Körper auch im Ruhezustand bereits Höchstleistungen bringt. Deswegen sollte man ganz bewusst auf den Körper hören und sich nicht überfordern.

Weniger ist mehr

Der mögliche Leistungsanspruch beim Praktizieren der Übungen steht also hintenan: Es geht nicht mehr darum, hier noch ein bisschen tiefer zu kommen und sich da noch etwas weiter zu dehnen. Stattdessen sollte man sogar eher Blöcke einsetzen, um sich vielleicht nicht mehr ganz so weit beugen zu müssen.

Stattdessen steht die sanfte Vorbereitung auf die Geburt im Fokus: Es geht darum, dem Körper die Stärke für dieses Erlebnis zu verleihen. Dabei ist das eigentliche Ziel, die Bewegung mit dem Atem zu verbinden. Außerdem zählt eine schöne, lockere Atmosphäre, so dass man sich gut entspannen kann.

Yoga für Einsteiger und Kugelbäuchige

Wenn man noch nie Yoga gemacht hat, dann beginnt man besser erst in der 11. oder 12. Schwangerschaftswoche damit: Der Körper hat ja bereits viel zu tun und wenn er dann auch noch eine neue „Sportart“ erlernen soll, kann das ganz leicht den gegenteiligen Effekt von Entspannung verursachen. Wichtiger ist, dass der Körper und die Hormone sich erst einmal einpendeln.

Wenn man aber ein einigermaßen gutes Körpergefühl hat, kann man sich darauf gut verlassen: Der Bauch teilt einem bei genauem Hinhören nämlich sehr schnell mit, was sich gut anfühlt und was man lieber vermeiden sollte. Und wenn man sich ganz unsicher ist, kann man am besten zu einem Schwangerschafts-Yogakurs gehen.

Bei fortschreitender Schwangerschaft merkt man natürlich außerdem, dass der Bauch wächst und quasi „im Wege ist“. Ab der 24. Schwangerschaftswoche sollte man zudem nicht mehr auf dem Rücken liegen, da sonst das ganze Gewicht von Gebärmutter, Fruchtwasser und Baby auf eine wichtige Hohlvene drückt: Dann kann einem schwindelig oder übel werden.

Bei besonderen Gegebenheiten wie etwa einem verkürzten Gebärmutterhals gibt es dann ebenfalls Besonderes zu beachten, aber das lässt sich schwer verallgemeinern. Hier empfiehlt sich definitiv ein Kurs oder eine Anfrage bei der Hebamme, bevor man loslegt.

Wo finden deine Pränatal-Kurse statt und wie kann man sie buchen?

Online findet man alle Orte und Zeiten, und hier kann man sich auch anmelden. Außerdem finden sich dort ganz viele Antworten rund um die DOs und DON’Ts von Yoga in der Schwangerschaft.

Wie bist du selbst zum Yoga gekommen?

Yoga habe ich während meines Studiums entdeckt. Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und vor jeder Prüfung kalte Füße bekommen. Deswegen habe ich mit Atemübungen angefangen – heute würde man das Meditation nennen – und hab mich dann immer mehr mit den verschiedenen Techniken und schließlich mit Hatha-Yoga befasst.

Das ist jetzt dreizehn Jahre her und zu Beginn habe ich es auch längst nicht täglich gemacht. Gleichzeitig habe ich aber auch immer gemerkt, dass ich mich vollkommen anders gefühlt habe, wenn ich es vernachlässigt habe. Und damit meine ich nicht nur meinen Körper, der natürlich das Sportliche und das Physische vermisst hat, sondern vor allem mein Geist und mein Kopf. Die haben sich dann nämlich wieder viel mehr von der Umwelt beeinflussen lassen und ich habe wieder viel unkonstruktiver auf Dinge reagiert. Mit Yoga dagegen war ich viel achtsamer und konnte nutzlose Argumentationsmuster bereits ablegen. Ich war einfach viel freier.

Aber trotzdem war es erst mal ein Rauf und Runter. Allerdings habe ich die Praxis mit der Zeit vertieft und mit Ashtanga-Yoga schließlich meine Stärke und Herausforderung gefunden. Hier habe ich dann auch meine erste Yogalehrer-Ausbildung mit 500 Stunden gemacht. Dazu kamen Vinyasa, diverse Weiterbildungen in Anatomie, Pränatal- und Postnatalyoga, Kinderyoga… da kommen sicher insgesamt 1.000 Stunden zusammen.

Friedlich und ausgeglichen in Mexiko

2012/13 habe ich zusammen mit meinem Mann Power-Yoga in Mexiko gemacht. Und hier haben wir beschlossen, das unbeschreibliche Gefühl, was wir dort entwickelt haben – diesen Frieden, diese Zuversicht und die Ausgeglichenheit, die Freiheit auf den Schultern – an andere weiterzugeben.

Dabei wollten wir uns trotz all der verschiedenen Stile, die wir kennengelernt haben, nicht auf eins festlegen: Wir wollten aus unseren Vorlieben vielmehr das Beste rausziehen und das hat sich dann zu einem eigenen Stil, dem Mana-Yoga entwickelt.

Was bedeutet Yoga für dich?

Yoga hilft definitiv, mich wieder zu spüren und Körper und Geist zu verbinden: Manchmal ist es Stressabbau und Ankommen, manchmal eine Auszeit vom doch hektischen Alltag mit zwei Kindern und Unternehmensgründung, manchmal hilft viel Bewegung gegen eine schlechte Nacht und manchmal ist es körperliche Herausforderung. In jedem Fall stellt es das Weitermachen-weitermachen-Rädchen im Kopf ab. Und es tut einfach gut, fest auf der Matte zu stehen, sich zu erden und zu spüren: Jetzt und hier komme ich an und ich nehme mir eine Pause vom Gedankenkarussell.

Demnach ist Yoga definitiv mein Alltag – und unser Alltag als Ehepaar und als Eltern.

Was hat es mit deinem Projekt A Mana Life auf sich?

Bei unserem Family-Concept-Store geht es um erprobte Kinderprodukte mit Designanspruch aus nachhaltiger Produktion, unbedenklichen Materialien und fairem Handel. Kurz: Das Gegenteil von Massenproduktion, unbedachtem Konsum und Kinderarbeit.

Produkttipps für Freunde – und alle!

Ich habe eine sehr klare Vorstellung davon, wie Dinge auszusehen haben – Design und Interior sind Themen, über die ich mich sehr gern austausche. Ich mag auch Trends aus anderen Ländern, besonders aus Kanada, Großbritannien und Frankreich. Ich schaue gern, wie andere Familien leben und was ihren Alltag beeinflusst, was ihn einfacher macht. Und das gilt sowohl für Einrichtungsgegenstände als auch für Kleinkindbekleidung.

Im Freundeskreis wurde ich immer gefragt, wenn jemand ein Geschenk suchte – besonders natürlich, seitdem wir selbst Kinder haben. Im Zuge dessen sind immer mehr kleine Aufträge entstanden und ich habe angefangen, den Blog zu schreiben und die Kinderprodukte vorzustellen, die wir selbst schätzen. Dabei fiel mir schließlich auf, dass man in Deutschland schwer an Kinderprodukte kommt, die im Design und in Bezug auf Nachhaltigkeit stimmen. Entweder ist alles trendig und superschick, aber die wenigstens Labels produzieren nachhaltig oder fair. Und die Ökosachen sind dann eben wieder echt öko.

Schöne Nachhaltigkeit statt Öko-Optik

Von dieser Erkenntnis bis zur Idee, einen eigenen Shop mit dem Schwerpunkt Anziehen, Spielen, Dekorieren zu eröffnen und das mit dem Yogakonzept zu kombinieren, war es dann gar nicht mehr weit: Yoga passt auch deswegen gut dazu, weil es hier ja auch um Achtsamkeit und ein friedliches, positives Miteinander geht. Und das spiegelt sich dann eben in den fair gehandelten Gegenständen, die ethisch einwandfrei und umwelt-bewusst hergestellt werden.

Dabei teilen wir alle Informationen wie mit guten Freunden bei einem Einkaufsbummel in kleinen Läden: Man muss also nicht mehr selbst recherchieren, ob irgendwas Ökotest-Sieger war oder ob die Materialien unbedenklich oder die Herstellung politisch korrekt ist. Alle Daten sind bereits übersichtlich aufbereitet und zugänglich.

Das Angebot basiert auf unserer Erfahrung – wir nehmen also nur Produkte auf, die wir selbst erprobt haben. Das gilt von der Manduka-Matte, auf der ich schon immer selbst Yoga mache, bis zur Babykleidung. Es geht also nicht darum, Trends aufzunehmen, sondern Gutes weiterzugeben. Wir wollen eine Wissensquelle schaffen – mit Anspruch an Qualität und an Design.

Dazu steht hinter dem ganzen Projekt eine Art Karma-Gedanke von mir und meinem Mann: Wenn wir Gutes tun, kommt auch Gutes zu uns zurück. Und wenn wir die Umwelt schützen bzw. faire Herstellung zugunsten eines befriedigenden Lebensstils unterstützen, wird auch unser Konzept auf lange Sicht Erfolg haben.

Zu guter Letzt: Und warum strahlst du immer so?

Ich mag es total, wenn Dinge einfach sind und gut. Wenn ich das Gefühl habe, dass alles im Fluss ist und fließt, dann tut das Leben mir gut. Also versuche ich jeden Moment wirklich wahrzunehmen, und mir nicht allzu viele Gedanken darüber zu machen, was morgen passieren wird.

Außerdem geht es mir mit allem, was ich tue, auch ein wenig um Entschleunigung: Statt immer alles sofort zu haben, kann man auch akzeptieren, dass manches ein wenig dauert. Auch das ist eine Art von Slow Down und Ausweg vom Leistungsdruck. Es gibt sicher viele, die das furchtbar finden – aber auch einige, die genau das genießen, weil sie die Zeit nicht mehr vorbeihetzen und vorbeirauschen lassen wollen. Wir haben ja schließlich auch nur ein Leben.

Und was ich schon lange nicht mehr mache, ist an gestern zu denken: Die Feststellung, dass man absolut nichts ändern kann, hat mich dazu gebracht, schlechte Erinnerungen nicht mehr in mein Leben einzubeziehen. Das gilt aber natürlich nicht für schöne Dinge wie die Geburt unserer Kinder oder unsere Hochzeit – da schaut man gern Jahre zurück. Aber hätte-hätte-Fahrradkette ist aus meinem Leben verbannt.

Das klingt doch nach einem guten Lebensmotto. Vielen Dank für deine Zeit und das schöne Interview!

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