Pränantal-Diagnostik: Hilfe oder Panikmache?

Beim Frauenarzt werden einem im ersten Trimester neben dem üblichen ersten Ultraschall jede Menge Zusatz-Untersuchungen angeboten. Je mehr man liest, desto panischer wird man – zumindest ging es mir so. Ich war gar nicht darauf eingestellt, dass das kleine Wesen in mir nicht gesund sein würde, und so haben wir bis auf den normalen Ultraschall und den Toxoplasmose-Test, bei dem die Immunität gegen diesen Behinderungen auslösenden Erreger gestestet wird, alle weiteren pränatalen Untersuchungen für uns ausgeschlossen.

Wollten wir nicht wissen, ob unser Fips Fehlbildungen oder Behinderungen haben würde?

Nein. Nein, das wollten wir nicht. Wir wollten nicht wissen oder bei unklaren Diagnosen fürchten, sondern uns auf mein gutes Gefühl verlassen. Ohnehin hätte ich den Fips nicht mehr hergeben wollen. Doch welche Untersuchungen einem wichtig sind und welche Konsequenzen man aus den Ergebnissen zieht – diese Entscheidung muss jede Mutter bzw. alle werdenden Eltern für sich selbst treffen: Hier gibt es kein richtig und kein falsch, sondern nur die eigene Intuition.

 

Intuition und das eigene Leben

Will und kann ich mit einem behinderten Kind leben? Für mich bedeutet das keine wirkliche Entscheidung: Ich wollte den Fips behalten. Wenn er behindert sein würde, würde ich lernen – lernen müssen -, für ihn das Beste zu tun. Aber um ehrlich zu sein: Darüber habe ich nicht weiter nachgedacht und nicht nachdenken wollen. Mein Gefühl sagt, dass er gesund sein wird. Punkt.

So viel mittlerweile auch möglich ist, die Untersuchungen gelten generell nicht als 100%ig sicher. Sprich: Es gibt mehr gesunde Babys als die Befunde vorher anzeigen, so dass viele Schwangerschaft in unnötiger Panik verlaufen. In unserer Familie gibt es keine Vorbelastungen und daher eine nur geringe Wahrscheinlichkeit auf Anomalien: Ich wollte mich also nicht verrückt machen lassen und habe daher (trotz meines Beinahe-Risikoalters) keine der folgenden Untersuchungen machen lassen:

  • Nackentransparenzmessung (auch „Nackenfaltenmessung“ genannt): Hier wird eine Flüssigkeitsansammlung im Nacken des Babys auf verdickung untersucht. Liegt diese vor, ist es möglich, dass das Kind mit einer Chromosomenabweichung wie etwa dem Down-Syndrom oder einem Herzfehler geboren wird. Ein etwaiger Verdacht, der durch diese Messung entsteht, muss dann allerdings durch weitere Tests bestätigt werden – und dies ist nur etwa bei 30% der Fall.
  • Chorionzottenbiopsie: Die Gewebeprobe aus dem Mutterkuchen per Hohlnadel bietet eine relativ sichere Auskunft darüber, ob das Baby einen chromosomalen Defekt hat. Die Ergebnisse liegen meist innerhalb von zwei Tagen vor und bieten schnelle Gewissheit – gleichzeitig erhöht sich durch den Eingriff allerdings auch das Risiko einer Fehlgeburt (1-3%).
  • Amniozentese: Für die Fruchtwasserpunktion werden Bauchdecke, Gebärmutter und Fruchtblase durchstochen. Im entnommenden Fruchtwasser befinden sich Hautzellen des Babys, die anschließend im Labor auf Anomalien untersucht werden. Die Ergebnisse dauern hier länger, aber das Fehlgeburtsrisiko ist geringer (0,5%).
  • Ersttrimester-Test: Hier werden diverse Werte des Babys gemessen und in Kombination mit dem Alter und Gewicht der Mutter geprüft. Doch obwohl viele Messwerte einbezogen werden (das Nasenbein des Babys, eine intakte rechte Herzklappe, bestimmte Eiweißkörper im Blut, bestimmte Hormone), entstehen häufig negative Befunde, die sich am Ende als unzutreffend herausstellen.

Bis jetzt sieht Fips sehr gesund aus: Er ist fit und aktiv, nimmt ordnungsgemäß zu und auch seine Größe ist quasi vorschriftsmäßig. Für mich verläuft die Schwangerschaft ruhig und gelassen – und ich bin froh, auf meine innere Stimme gehört zu haben: Es wird alles gut sein.

2 Gedanken zu “Pränantal-Diagnostik: Hilfe oder Panikmache?

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