Was macht gute Männer zu guten Vätern?

Okay, ich gestehe: Ich bin kein Freund von „Wir sind schwanger!“-Ausrufen. Gleichberechtigung – yay, her damit! Aber schwanger? Das bin nur ich. Ich werde Mutter, ich hab die Party im Bauch. Werdende Väter nehmen vielleicht auch zu, aber ein paar Kilos sind immer noch kein Baby. Was nicht heißt, dass Väter überflüssig sind. Auf keinen Fall! Man braucht keine Gebärmutter, um Eltern(teil) zu werden – und man muss/sollte auch nicht bis zur Geburt warten, um die Paparolle einzunehmen.

Papa-Skills-Training im 9-Monats-Bootcamp

Im Gegenteil: Das beste Übungsgebiet für werdende Väter ist die geduldige Betreuung ihrer Partnerin. Denn wenn jemand einem Kleinkind in Sachen liebebedürftiger Anhänglichkeit, wechselhafter Laune und anspruchsvoller Nörgeligkeit in Nichts nachsteht, dann ist das wohl die ganz normale Durchschnittsschwangere. Bereit, die wichtigsten Vatertugenden unter härtesten Bedingungen zu trainieren? Dann nichts wie los!

1. Terrain sondieren & Richtig Reagieren

  • Situation: weinerliche oder knurrige Partnerin
  • Fragestellung & Learnings: Was steckt hinter der explosiven Reaktion? Sind die üblichen Hormone am Werk oder gibt es wichtige Sorgen und Bedürfnisse, die erfüllt werden wollen? Klassische Gründe sind Hunger, Müdigkeit, Einsamkeit, Überforderung oder Angst. Eine große Portion Spaghetti, ein Schläfchen, gemeinsame Zeit, ein ruhiges Gespräch und eine feste Umarmung (im Notfall alles nach- und durcheinander!) sollten den gröbsten Unmut beseitigen. Dasselbe gilt später für das Baby: Nasse Windeln, leerer Bauch, fehlender Körperkontakt – Papa, hier kommt dein Auftrag!
  • Hilfsmittel: nichts persönlich nehmen und jede Menge Schokolade (aka Gurkensalat, Lecksalz, Gummibärchen oder was auch immer die Schwangerschaftsgelüste hergeben)
  • Unbedingt vermeiden: Gereizte (oder ultraweichgespülte) Untertöne und die Frage „Was ist denn nun schon wieder?“

2. dranbleiben & trösten

  • Situation: Schokolade hilft nicht, Umarmen hilft nicht, Nachfragen hilft nicht
  • Lösung & Learnings: Durchatmen und durchhalten. Manche Bedürfnisse lassen sich nicht sofort erfüllen bzw. manche Dinge lassen sich gar nicht ändern. Manchmal ist die Partnerin völlig neben der Spur, obwohl kein Grund dafür erkennbar scheint. Nun gilt: Doppelt hinhören, doppelt da sein. Wer jetzt entspannt bleibt und tröstet, wird in diesen Situationen ein guter Partner sein. Und später ein toller Papa, der die Krisen des Alltags geduldig mit dem Nachwuchs verarbeitet.
  • Hilfsmittel: individuelle Geheimwaffen (Badewanne einlassen, Lieblingseis besorgen, einfach mal kurz rausgehen und die Klappe halten etc.)
  • Unbedingt vermeiden: Kontakt mit fliegendem Geschirr

3. Methoden studieren & Rituale einführen

  • Situation: Wunsch nach gemeinsamer Pärchenzeit
  • Lösung & Learnings: Gute Gewohnheiten und Rituale vergolden die Partnerschaft. Neben ausgedehntem Sonntagsfrühstück, Abendessen mit Freunden oder regelmäßigen Filmabenden lässt sich das Repertoire jetzt zum Beispiel um das regelmäßige Einölen des Babybauchs ergänzen. Alles, was im Moment gemütliche Pärchenzeit bedeutet, festigt die Beziehung für später und legt den Ritual-Grundstein, um den späteren Familienalltag gemeinsam zu strukturieren.
  • Hilfsmittel: Kalendernotizen und hübsche Accessoires
  • Unbedingt vermeiden: Ausnahmen aus purer Faulheit

4. Langeweile feiern & die kleinen Dinge genießen

  • Situation: es passiert nichts, laaaaaangweilig!
  • Frage & Learnings: Passiert wirklich nichts? Gibt es keinen Grund zur Freude? Was ist denn gerade alles gut im Leben? Was hält die Zukunft an schönen Dingen bereit – oder was sollte sie bereithalten? Fakt ist, dass man nie wieder so viel Zeit für Langeweile haben wird, wie während der Schwangerschaft. Klar müssen tausend Dinge vorbereitet werden, aber trotzdem bleibt genug Raum zum Atmen. Und das allein ist ein Grund zum Feiern – das oder das fertige Babyzimmer, ein Besuch bei Freunden, ein Kurzurlaub, ein kleiner Ausflug, ein gemütlicher Abend zu zweit… der Alltag kann verdammt schön sein, wenn man das genau Hinsehen übt. Und die Fähigkeit zum Genießen der kleinen Dinge lässt sich auch an das Baby weitergeben.
  • Hilfsmittel: einfach mal fünf Minuten die Augen zu- oder ganz weit aufmachen
  • Unbedingt vermeiden: Hetze, Ich-brauch-erst-noch– und Klappt-ja-doch-nicht

5. Kill the Hilflosigkeit!

  • Situation: körperliche und emotionale Belastung durch die Schwangerschaft
  • Lösung & Learnings: Genauso wenig wie „wir“ schwangr ist, kann „wir“ alle Belastungen der Schwangerschaft gerecht aufteilen. Abwasch vs. Ausschlafen? Nun ja. Als (werdender) Vater das zu übernehmen, was der Partnerin Probleme bereitet und ihr Ruhe zu ermöglichen, ist vielleicht nicht immer eine faire Arbeitsaufteilung, aber eine unsagbar große Hilfe – weitaus größer als es manchmal erscheinen mag.
  • Hilfsmittel: die eigenen Bedürfnisse zurückstellen
  • Unbedingt vermeiden: die eigenen Bedürfnisse vergessen

6. Zusatz-Lektion für perfekte Papa-Partner

Den Geburtsschmerz könnt ihr uns nicht abnehmen. Aber das müsst ihr auch nicht und das braucht euch auch nicht ängstigen. Denn ihr könnt trotzdem viel für uns tun: Still präsent sein, Wasser reichen, den Rücken massieren, euch die Hand zerquetschen lassen, sämtliche Anblicke ertragen… die Liste ist lang. Und ihr könnt gleich üben, dass ihr auch nicht alles Übel vom Nachwuchs fernhalten könnt. In allen Situationen da zu sein und sich von dem Gefühl der Machtlosigkeit nicht verrückt machen zu lassen, bedeutet wahre Stärke. Leben ist lernen, lieben ist lernen zulassen.

Und keine Sorge: Im Leben mit Kind werden unendlich viele handfeste Situationen kommen, in denen aktive Papa-Power gefragt ist – nicht zu vergessen die weitere Pflege der frischgebackenen Mama.

2 Gedanken zu “Was macht gute Männer zu guten Vätern?

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