Partner, Papa – oder beides?

Der weltbeste Ehemann und ich kennen uns viereinhalb Jahre, hatten zwischendurch einige wilde Zeiten und sind mittlerweile ein halbes Jahr verheiratet. Wir sind keine Zufallsbekanntschaft mehr, die irgendwie in eine Beziehung rübergerutscht ist, sondern wir haben uns für alles entschieden – für uns, für gemeinsame Zukunftspläne und für Fips. Wieso ich das erzähle?

Weil die Sache mit der bewussten Entscheidung füreinander die Beziehungsarbeit nicht abschließt: Es gibt immer gute, mittlere und auch schlechte Phasen. Stress auf der Arbeit, ein neues gemeinsames Hobby oder einfach nur zu viel Alltag: Jede Veränderung im Leben kann einen Phasenwechsel einläuten.

Ein Baby zu bekommen gehört ganz sicher nicht zu den kleinsten Veränderungen, die auf ein Paar zukommen. Und eine gesunde, stabile Beziehung ist die beste Grundlage, um diese Aufgabe gemeinsam zu meistern – Herausforderungen wird es auch sonst genug geben.

Freust du dich denn gar nicht?

Der Kinderwunsch war beim weltbesten Ehemann etwas ausgeprägter als bei mir. Ich habe zwar ein Kind in meinem Leben gesehen und mir auch Gedanken zur Erziehung etc. gemacht, aber er hat das Bedürfnis öfter und auch deutlicher geäußert. Und als es dann soweit war (und ich zunächst in Schockstarre steckte), hat er sich voller Stolz gefreut.

Doch in den Wochen danach konnte er nicht all zu viel mit dem Babythema anfangen. Stolz – ja, Freude – ja, aber eine echte Verbindung? Nein. Allerdings ist dies eine häufige Reaktion bei werdenden Vätern: Während man als Frau in sich hineinhorchen kann und beinahe täglich Veränderungen (oder doch immerhin Übelkeit, haha) bemerkt, ändert sich für den Mann zunächst gar nichts.

Während sich das Leben und die Gedanken der Frau zeitweise fast ausschließlich um die Schwangerschaft drehen, spielt das Kind in seinem Alltag noch gar keine Rolle: Er hat höchstens seine gewohnte Partnerin gegen eine oft launische, manchmal weinerliche und irgendwie „kränkliche“ Lady mit Sonderwünschen eingetauscht.

Ich habe mir manchmal gewünscht, dass sich meine innere Aufregung auf irgendeine Weise (am besten telepathisch, denn fassbar beschreiben lässt sich dieses verwirrende Gefühl von Umsturz und Sensation kaum) auf den weltbesten Ehemann übertragen würde. Damit er dasselbe fühlt wie ich und ich mit dem kleinen Chaos in mir nicht länger allein bin.

So einfach klappt es aber natürlich nicht, und manchmal war ich ein wenig enttäuscht, dass er meinen wortlosen Aufruhr bei allem Stolz so wenig nachvollziehen konnte (schließlich ist dontforgetdads einer meiner Lieblings-Instagram-Channels und genauso hatte ich es mir auch für den Fips vorgestellt).

Auf dem Weg zum Elterndasein

Doch statt per Telepathie zusammenzurücken, haben wir uns ein wenig entfernt. Allerdings war das anders als in einer „normal“ schlechten Phase: Wir haben zwar viel Zeit getrennt verbracht, aber ohne das Du gehst mir auf den Geist-Gefühl, was mit einer schlechten Beziehungsphase einhergeht. Denn wir hatten keinen Streit, wir waren nicht genervt und auch nicht vom anderen gelangweilt.

Nein, offenbar brauchten wir einfach Zeit. Besonders der weltbeste Ehemann musste sich nach dem ersten Freudentaumel erst einmal sortieren – oder nein, das ist eigentlich gelogen. Ich musste es auch. Denn mein Kopf war voller Ängste:

  • Was würde mit Fips auf uns zukommen?
  • Würden wir dem gewachsen sein?
  • Was passierte überhaupt gerade?

Viele, viele Fragen – und eigentlich keine Antworten. Denn die wird erst das gemeinsame Leben zu dritt liefern können. Doch bis dahin wären möglichst viele gute und sehr gute Beziehungsphasen wünschenswert. Was also tun?

Reden, reden, reden

Schließlich haben wir getan, was wir für uns als das beste Rezept für den positiven Phasenübergang entdeckt haben: Miteinander reden und all die Gefühle teilen, die einem jeweils durch den Kopf gehen (und wenn sie noch so unaussprechlich erscheinen). Dabei haben wir einige gemeinsame Fragen entdeckt, die wir zusammen sogar beantworten konnten:

  • Wann und warum brauchen wir Zeit für uns?
  • Warum reagieren wir manchmal gereizt? (Häufigste Antwort ist übrigens: Hungrig, müde, einsam oder ängstlich.)
  • Was sind unsere größten Sorgen? Erziehungsfragen, schlaflose Nächte, der zerbrechliche Säugling?
  • Was möchten wir als Paar auf keinen Fall aufgeben?
  • Was würde jeder von uns an Freiheiten nicht oder nur ungern aufgeben wollen – und wäre es überhaupt nötig?

Zudem entdeckten wir, dass der Fips uns beiden noch als ein sehr surrealer Silberstreif am Horizont erscheint. Wir haben uns also daran gemacht, ihn gemeinsam in unser Leben einzubeziehen: Dazu gehört der Besuch beim Frauenarzt, den wir – wenn irgend möglich – zusammen machen. Und das kleine Wunder zu teilen, gemeinsam den Herztönen zu lauschen und die ersten Bewegungen zu sehen, rührt uns beide gleich.

Außerdem massiert der weltbeste Ehemann seit ein paar Wochen jeden Abend meinen Bauch mit einem Schwangerschafts-Pflegeöl. Das riecht nicht nur sehr gut nach Zitrone, sondern ist einfach ein schönes Ritual. Es ist schön zu sehen, wie stolz er dabei den langsam wachsenden Bauch betrachtet, und ich glaube, dass es dem Fips auch sehr gefällt.

Betriebsanleitung für werdende Papas

Eine weitere Maßnahme zur Fips-Annäherung war ein Buchkauf. Denn eine der größten Vater-Sorgen war, mit dem Baby nicht zurecht zu kommen und es irgendwie „kaputt“ zu machen. Windeln, Füttern, Schlafenlegen – alles schien aus der Ferne wie eine unmachbare Herausforderung. Und während der weltbeste Ehemann sonst alles auseinandernimmt, Autos repariert und ohne mit der Wimper zu zucken baufällige Häuser abreißt, hatte er bei einem Neugeborenen plötzlich Berührungsängste. Denn dafür gibt es ja keine Bedienungsanleitung!

Umso glücklicher war er als er in einem Buchladen tatsächlich ein Handbuch zur „Betriebsanleitung: Inbetriebnahme, Wartung und Instandhaltung“ fand: Technisch korrekt und männerkompatibel geschrieben, und mit allen Tipps von der korrekten Auswertung akustischer Singnale bis zum Übergang in den Schlafmodus.

Seitdem hat er viel weniger Angst. Und wir haben beim gemeinsamen Lesen und Lachen ein weiteres Stück der nicht ganz so guten Zeit hinter uns gelassen.

Damit die gute Beziehungsphase weiterhin anhält, sollten wir vielleicht auch noch in „Schwangerschaft – Betriebsanleitung zur Prozessoptimierung und Erhöhung des Produktkomforts“ investieren – mit Sicherheitshinweisen!

9 Gedanken zu “Partner, Papa – oder beides?

  1. goldenhue schreibt:

    Das liest sich so schön bei dir ❤
    Bei mir ist es leider anderst. Hier zerbricht gerade alles und ich fürchte ich kann es nicht mehr zusammen halten.
    Aber ich werde ab sofort für das Bauchbaby und mich sorgen und kümmern und werde sehen ob er irgendwann wieder "bock" auf uns hat oder auch ob ich dann überhaupt noch "bock" auf ihn hab, weil irgendwann ist es einfach zu kaputt.
    Aber bei den meisten Pärchen klappt es ja gut und das ist gut so 🙂

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